Die Franken und ihre Bierkeller

Die Franken und ihre Bierkeller Live

Sommer, Sonne, 30 Grad im Schatten. Wer sich im Freien aufhält, bevorzugt   bei dieser Wetterlage  ein schattiges Plätzchen.   Möglichst auf einem Bierkeller. Nirgendwo lässt es sich schöner entspannen. Nirgendwo kommt man so leicht mit dem Nachbarn ins Gespräch, kann über Fränkisches wie Weltläufiges diskutieren und den Meinungsaustausch pflegen. Wir haben  uns dieser Tage ein wenig in Franken umgesehen.

Und beginnen mit unserem Bierkeller-Streifzug in Stiebarlimbach, in der Nähe des Kreuzberges bei Hallerndorf. Genau an der Grenze der Landkreise Forchheim und Erlangen-Höchstadt. Dort liegt in idyllischer Lage der Keller der Brauerei Roppelt.
Brotzeitausgabe und Bierausschank sind auf den fränkischen Bierkellern – hier in Stiebarlimbach – strikt getrennt. Damit sollen zu lange Warteschlangen vermieden werden. Foto: Ronald Rinklef
von inFranken

Es ist früher Nachmittag. Einige Gäste haben sich bereits eingefunden. Wir kommen mit einem Ehepaar aus Bayreuth ins Gespräch. In Franken würden sie sich gut auskennen, erklären beide. Vor allem dort, wo es sich gut essen und trinken lasse, ergänzt der Bayreuther  schmunzelnd und nimmt einen kräftigen Schluck aus dem Seidlakrug. Weshalb man gerne nach Stiebarlimbach komme, auch wenn das von Bayreuth nicht gerade der nächste Weg sei. Wie das denn mit dem Fahren funktioniere, möchte ich mit Blick auf den Bocksbeutel wissen, den sich die Ehefrau gönnt. 

„Wir fahren mit Bus und Bahn“, heißt es. Klar, zum Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) gehört ja auch Bayreuth. Und in Richtung Kreuzberg, zu den diversen Bierkellern , die es hier gibt, führt eine eigene Freizeitlinie. Einfach genial. Finden auch unsere beiden Bayreuther, denen nicht nur das Bier schmeckt, sondern auch der Preis. Zwei Euro, das ist mehr als in Ordnung, so der Kommentar. „Wir fahren auch gerne nach Südtirol, der Berge wegen. Aber dort ist ja alles doppelt so teuer.“ Am Nachbartisch hat ein Ehepaar, das mit den Fahrrädern unterwegs ist, unser Gespräch mitbekommen.

„Wenn Sie einmal ein gutes Bier trinken wollen, müssen Sie das Schwarzbier vom Hans Heller in Herzogenaurach probieren“, werden wir informiert. Ich bedanke mich für den guten Rat und frage den Radfahrer, ob er denn ein Franke sei. „Nein“, kommt die wenig überraschende Antwort. Der Mann spricht nahezu akzentfrei  hochdeutsch. „Das macht nichts“, beruhige ich. „Nur, den Hans Heller kenne ich schon viele Jahre, weil ich einmal in Herzogenaurach gearbeitet habe“, erläutere ich. Damals hieß der Braumeister noch Alfred Fischer, heute braut beim Hans die Tochter und die scheint das offenkundig  nicht schlecht zu machen.

Die Geschichte von der Bratpfanne 

Der Beutefranke schwärmt weiter. „Und die Mutter vom Hans steht noch mit über 80 in der Küche und bereitet die Bratwürste zu.“ „Ganz genau, und die Pfanne für die Bratwürste ist bereits weit über 100 Jahre alt. Da hab ich mal eine eigene Geschichte drüber geschrieben“, ergänze ich die Ausführungen. Das erstaunt den Radfahrer, der sich gerade für die Rückfahrt nach Herzogenaurauch bereit macht. „Das ist ja toll, eine eigene Geschichte über eine Bratpfanne.“ Der Radler versprach, dem Hellers Hans Grüße auszurichten und empfahl uns im übrigen einen Biergarten im mittelfränkischen Hersbruck. Den sollten wir unbedingt aufsuchen, weil der sehr schön direkt am Fluss liege und man dort gut essen könne.

Also gut, über die Autobahn soll’s weiter gehen nach Hersbruck. Geht aber nicht. Kurz vor Tennenlohe staut sich’s gefährlich. Wir disponieren um, verlassen die Autobahn und fahren Richtung Erlangen. Wollen auf den „Entla’s“-Keller am Erlanger Kellerberg. Der empfiehlt sich besonders dann, wenn in Erlangen keine Bergkirchweih ist. Dann ist  dort ein schattiges Plätzchen, dazu ein frisches Bier, eine ausgesprochen erholsame Angelegenheit.
Auf dem Entlas-Keller  in Erlangen. Ein kühler Schluck unter schattigen Bäumen schmeckt besonders gut. Foto: Ronald Rinklef 
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Den Kellner am Ausschank bitten wir um die Erlaubnis ein Foto machen zu dürfen. Er deutet nach oben. „Der Chef ist oben im Büro. Den müsssen Sie fragen.“ Gut, wir steigen die Stufen empor, treffen den Chef vor seinem Büro, erklären ihm unser Anliegen. „Das geht in Ordnung“, schmunzelt er. Wir danken, halten uns aber nicht lange auf, weil wir noch weiter wollen, Richtung Jura.

Über den Frankenschnellweg kommen wir tatsächlich trotz gerade einsetzender Rush-Hour zügig voran. 45 Minuten später sind wir in Huppendorf, das zu Königsfeld im Landkreis Bamberg gehört. Bierkeller als Bezeichnung  wäre übertrieben, aber vor dem Gasthof der Brauerei sind einige Tische und Bänke aufgestellt. Eine Markise und Sonnenschirme sorgen für Schatten. Das reicht. Es geht auf 16.30 Uhr zu und es herrscht schon reger Betrieb.
Ein paar Tische, Bänke und Sonnenschirme, das reicht für einen kleinen Biergarten.  Hier das Freiluftangebot der Brauerei Grasser in Huppendorf. Foto: Ronald Rinklef 
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Frankens Bratwurst-Spezialitäten

Ein älteres Ehepaar beobachtet meinen Kollegen, der gerade einige Aufnahmen macht. Er sei auch  vom grafischen Gewerbe, beginnt der Nachbar das Gespräch. Wir stellen uns vor. „Mediengruppe? Da gehört doch die Saale-Zeitung in Bad Kissingen dazu. Bei der hab ich gelernt. “ Und schon geht’s los. Gebürtiger Haßfurter sei er, erzählt der Nachbar. Nach der Ausbildung in Bad Kissingen habe er eine Zeit lang in Coburg gelebt und gearbeitet, bis er zu einem Nürnberger  Verlag gewechselt sei und seither in  Forchheim wohne. Ein Unter-Ober-Mittelfranke also.  Ein Kenner Frankens und seiner kulinarischen Spezialitäten, sagt er. Zu  Coburg fällt ihm ein, da seien die Bratwürste  unabhängig von der derzeitigen Diskussion über die Art der Zubereitung mit Kiefernzapfen auch nicht mehr das, was sie früher einmal waren.

Es beginnt die unter Franken übliche hitzige Bratwurstdiskussion. „Ich finde, die Coburger Bratwürste schmecken ausgezeichnet,“ merke ich an. „Besser als die Bamberger jedenfalls“. „Früher waren sie besser“, beharrt der Nachbar. Ein Paar, das an einem anderen Tisch in der Nähe sitzt und offensichtlich nicht aus Franken kommt, hört amüsiert zu. „Heutzutage stopfen sie ja schon Chili und Mango in die Bratwürste. Das gehört da doch gar nicht rein.“  Das seien doch nur Gaudibratwürste für den Bratwurstgipfel in Pegnitz, versuche ich zu erklären. Bratwurstgipfel, das war für den Nachbarn das richtige Stichwort. Die Bratwürste vom vormaligen Bratwurstkönig Reck aus Möhrendorf hätten ihm auch nicht geschmeckt. „Mir schon,“ erlaube ich mir zu widersprechen. „Zumindest die groben, mittelfränkischen“, schränke ich ein wenig ein. „Mit den Bratwürsten, bei denen im Brät schon der Meerrettich  aus Baiersdorf eingearbeitet war, konnte ich allerdings auch nicht viel anfangen“, bekannte ich.  Die Nachbarn schauten immer wieder ungläubig in unsere Richtung. Naja, Bratwurstdebatten können eben nur  Franken  führen. 


Der  Biergarten am Wittelsbacher Turm. Hier liegt einem die unterfränkische Bäderstadt Bad Kissingen zu Füßen. Foto: Klaus Angerstein 
von inFranken

Unterfranken fehlt uns noch in unserer Biergarten-Sammlung. Anderntags geht es mittags nach Bad Kissingen, zum Wittelsbacher Turm und dem dazugehörigen Biergarten. Der ist an eine Erlebnisbrauerei angeschlossen. Der Blick von hier oben auf Bad Kissingen -  traumhaft. Dazu gibt’s  ein süffiges  Bier der erst seit den 90er Jahren bestehenden Brauerei. Verantwortlich  für den guten Stoff ist ein  im Ruhestand befindlicher Braumeister, der  sein Handwerk aber offenkundig versteht. Weshalb viele Einheimische gern den Biergarten  ansteuern. Wir treffen einen Schweinfurter, der um die Mittagszeit ein Paar Weißwürste  und den Blick auf das berühmte fränkische Bad genießt. Derweil unterziehen wir das selbstgebraute Bier einem kurzen, kritischen Test. Und stellen fest, dass es auch in unterfränkischen Biergärten ein ordentliches Bier gibt. Trotz der sonstigen Wein-Dominanz. Womit bewiesen wäre, dass egal ob Ober- ,Unter- oder Mittelfranken, die Bierkeller-Kultur überall in Franken in voller Blüte steht.


Warum Bierkeller? Grundsätzlich ist ein nicht pasteurisiertes Bier nicht sonderlich lange haltbar, Es sei denn, man kühlt es auf vier Grad ab. Was vor der Erfindung von Kühlanlagen ein Problem war. Weshalb  sich die Brauereien insbesondere im Fränkischen mit Bierkellern behalfen. Die wurden im Winter mit großen Eisblöcken gefüllt. Die Temperaturen konnten so in den Kellern bis zum Spätsommer konstant niedrig 

Alles zum Thema Bier gibt es übrigens auch auf bier.infranken.de

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