100 Jahre Erster Weltkrieg

100 Jahre Erster Weltkrieg Live

Französische Soldaten am Hohlweg von Helby während der Schlacht um Verdun gehen bei einem Artillerieeinschlag in Deckung, 1916. 




Der Beginn des Ersten Weltkriegs


Schritt für Schritt steuern die Großmächte vor 100 Jahren auf den Ersten Weltkrieg zu: Am 28. Juli 1914 erklärt Österreich-Ungarn Serbien den Krieg. Am 30. Juli ordnet der russische Zar Nikolaus II. die Generalmobilmachung an.

Der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Gattin Sophie wenige Augenblicke vor dem tödlichen Attentat in Sarajevo. Ausgelöst durch die tödlichen Schüsse auf das Paar durch serbische Nationalisten am 28. Juni 1914 in Sarajevo brach im August 1914 der große Krieg aus.  Foto: dpa
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Die Festnahme des Attentäters Gavrilo Princip (mit einem X gekennzeichnet). Der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Gattin Sophie wurden von dem bosnischen Studenten Gavrilo Princip, der zu einer serbischen Nationalistengruppe gehörte, am 28. Juni 1914 während eines Besuchs in Sarajevo erschossen. Foto: dpa 
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Der Serbe Gavrilo Princip (undatierte Aufnahme). Der serbische Nationalist verübte am 28.06.1914 in Sarajevo ein Attentat auf den Habsburger Thronfolger Franz Ferdinand und dessen Frau Sofie. Foto: Heeresgeschichtliches Museum Wien/dpa 
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Nach einem verstrichenen Ultimatum erklärt das Deutsche Reich Russland am 1. August den Krieg. Am 3. August folgt die Kriegserklärung an Frankreich. Es folgen Kriegserklärungen Großbritanniens an Deutschland (4. August) und an Österreich-Ungarn (8.) sowie Österreich-Ungarns an Russland (6.). Enden wird der Krieg erst im November 1918
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Kriegsbegeisterung nur Propaganda 

Die vielfach beschriebene allgemeine deutsche Begeisterung zu Beginn des Ersten Weltkrieges ist nach Aussagen des Leiters des Erich-Maria-Remarque-Friedenszentrums in Osnabrück, Thomas Schneider, zu Propagandazwecken nachträglich inszeniert worden. „Eine verbreitete Hurra-Stimmung in der Bevölkerung hat es weder vor noch unmittelbar nach Kriegsausbruch gegeben“, sagte Schneider am Mittwoch im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das belegten Studien seit den 1990er Jahren.

Nachdem am 1. August 1914 durch Kaiser Wilhelm II. die allgemeine Mobilmachung verkündet worden ist, ziehen deutsche Soldaten in den Krieg (Aufnahme vom August 1914). Foto: dpa 
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Mobilmachung im August 1914 in Deutschland: Bayerische Soldaten winken in euphorischem Glauben an einen schnellen Sieg aus den Fenstern eines Zuges, der sie an die Front bringt. Foto: dpa 
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Die Legende von der Kriegseuphorie sei ein Werk der Propaganda der nationalistischen Kräfte während des Krieges und in der Zeit der Weimarer Republik, sagte Schneider: „Und das hat ja funktioniert. Das Bild von der kollektiven Zustimmung zu diesem Krieg hat sich trotz anderslautender Erkenntnisse bei einem Großteil der Bevölkerung bis heute gehalten.

   Die Arbeiterbewegung habe sogar bis zum Schluss noch versucht, den Kriegsausbruch zu verhindern. Es habe Ende Juli 1914 noch große Anti-Kriegs-Demonstrationen gegeben. Vor allem die Auswertungen der damaligen Presse durch den amerikanischen Historiker Jeffrey Verhey belegten, dass die Begeisterung auf die Großstädte und dort auf die nationalistisch-bürgerlichen Kreise beschränkt gewesen sei.

   In Kleinstädten und auf dem Lande habe dagegen die Sorge vor einer ungewissen, unsicheren Zukunft vorgeherrscht: „Die Bauern hat im Sommer 1914 interessiert, wie sie die Ernte einfahren, aber ganz bestimmt nicht der Krieg.“

   Aufrufe von Intellektuellen zur Unterstützung des Krieges wie die Erklärung von rund 3.000 Hochschullehrern seien erst nach Kriegsausbruch im Herbst verfasst worden, betonte der Literaturwissenschaftler. „Da war die Situation ganz anders. Inzwischen herrschte die Auffassung vor, Deutschland sei eingekreist und müsse sich verteidigen.“ Die Intellektuellen hätten die Version von Kaiser Wilhelm II. unterstützt, die Deutschen müssten nun zusammenstehen. Zudem hätten sich vor allem Künstler vom Krieg erhofft, er könne die ihrer Ansicht nach verkrustete Gesellschaft erneuern.
   Niemand habe damals jedoch damit gerechnet und sich vorstellen können, dass es ein langer, industrialisierter Krieg mit so vielen Opfern werden würde, sagte Schneider. Zudem sei schon früh die Propaganda-Maschinerie angelaufen, um einer drohenden Kriegsmüdigkeit entgegenzuwirken.


Musik als Kriegspropaganda


Im Ersten Weltkrieg wird Musik zur Waffe: Tausende Deutsche dichten patriotische und kriegsverherrlichende Lieder. „Druff wie Blücher“ schallt es, und wieder „Es braust ein Ruf wie Donnerhall“.  Viele singen aber auch nur, um zu überleben.

„Maikäfer flieg...“ singen die Kinder auch im Sommer 1914. Als dann Anfang August der Erste Weltkrieg ausbricht, kommt eine wahre Flut von neuen Liedern dazu: Es sind freilich ganz andere – Lieder voller Heldenverehrung und Spott für den Feind, patriotisch, kriegsbegeistert.


Deutsche Propagandapostkarte aus dem Ersten Weltkrieg mit der ersten Strophe des Liedes "Der gute Kamerad" von Ludwig Uhland (Text) und Friedrich Silcher (Vertonung) (Farbdruck nach Aquarell von Paul Hey (1867ñ1952)). Im Ersten Weltkrieg wird Musik zur Waffe: Tausende Deutsche dichten patriotische und kriegsverherrlichende Lieder. Foto: dpa 
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Deutsche Propagandapostkarte aus dem Ersten Weltkrieg mit Text des Liedes "Die Wacht am Rhein", 1854, von Max Schneckenburger (Text) und Karl Wilhelm (Melodie) (Bildpostkarte, Farblithographie, 1914, Paris, Sammlung Jean-Pierre Verney). 
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 Feldpostkarte aus dem Ersten Weltkrieg, 1915; Abschiednehmendes Liebespaar mit Volksliedstrophe "Liebchen ade! Scheiden tut weh". Foto: dpa
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Feldpostkarte aus dem Ersten Weltkrieg mit dem Motiv eines Soldaten mit Reichsfahne und einem christlichen Gebetsspruch von Theodor Koerner: "Vater ich preise dich!..."Foto: dpa 
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   Nie zuvor hatte es solch eine Politisierung des deutschen Musiklebens gegeben. „Die Musik diente zur Hebung der patriotischen Stimmung und zur Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls“, sagt der Osnabrücker Musikprofessor Stefan Hanheide: Kein Konzert, keine Verkündung auf öffentlichen Plätzen, bei der nicht am Ende alle das „Deutschlandlied“ anstimmten.

Es gab im Ersten Weltkrieg keine zentral gelenkte militärische Propaganda. Aber die Musik übernahm – zusammen mit der Bildpostkarte - deren Funktionen, erklärt der Osnabrücker Musikwissenschaftler Dietrich Helms: Kaiserworte wurden vertont („Es rufet der Kaiser sein Volk zum Schwert“), wichtige militärhistorische Daten ins Gedächtnis eingeprägt. Die Musik war „informelle Propaganda“.

   Zugleich diente sie aber auch als Trösterin. Briefe aus den Schützengräben belegen, wie Lieder bei der seelischen Verarbeitung von Gewalt und Trauer halfen. John Meyer, erster Leiter des Freiburger Archivs, notierte schon 1916, das Singen bewirke eine psychische Entlastung und trage so zur „Moral der Truppe“ bei.

   An der Front in Frankreich oder Russland bedeutete Musik für die Soldaten ein Stück Heimat – Historikern zufolge der Grund für die Beliebtheit von Volksliedern. Sie weckten die Erinnerung an friedliche Zeiten. Auch der Abschied von daheim war fast immer von Musik und Gesang begleitet: „Muss i denn zum Städtele hinaus“ war dabei wohl am populärsten.

Ein neuer Krieg - industrialisiertes Töten


Die Schlachten des Ersten  Weltkriegs zeigten eine ganz neue Qualität des Tötens: Neue Technologien zeigten zum ersten Mal ihre volle Wirkung: Die Fließbandfertigung ermöglichte den massenhaften Einsatz von Artillerie. Millionen und Abermillionen Granaten gingen auf zerpflügte Schlachtfelder nieder - der größte Teil der Verluste im Ersten Weltkrieg wurden durch Artilleriebeschuss verursacht. Giftgas wurde erstmals eingesetzt und fügte eine neue Dimension des Schreckens hinzu. 


Eine Staffel B-2 Doppeldecker aus dem 1. Weltkrieg im Formationsflug (undatiertes Archivbild).  Foto: U.S. Air Force/dpa
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 Ein deutscher Soldat steht im Jahr 1917 vor einem erbeuteten britischen Panzer (Archivfoto). 
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Das Archivbild aus dem Jahr 1915 zeigt einen Sturmangriff österreichischer Truppen an der Isonzofront (Ostabschnitt der italienisch-österreichischen Front).  
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Britisches Unterseeboot im 1. Weltkrieg. (Undatiertes Archivbild aufgenommen zwischen 1914 und 1918) U-BOOTE wurden von allen Marinen unterschätzt, aber dennoch gebaut. Am 22. September 1914 versenkte das deutsche U-9 mit nicht einmal 30 Mann Besatzung in einer guten Stunde drei britische Panzerkreuzer. Foto: dpa  
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Blutiger Stellungskrieg, bei dem Tausende beim Ringen um wenige Meter Geländegewinn geopfert wurden, Infanterieangriffe über offenes Feld mitten in MG-Feuer, Panzer als neue Kriegswaffe: Die Kreativität des Tötens kannte keine Grenzen. Flugzeuge und U-Boote fügten die dritte Dimension hinzu: Die Tiefen des Meeres wurden ebenso wie der Himmel zu neuen Schlachtfeldern. 


Grafik: dpa 
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Grafik: A. Brühl Redaktion: K. Klink / dpa 
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Der Erste Weltkrieg - die Folgen


In der Folge des bis dahin blutigsten Krieges strauchelten die Monarchien Europas. Der deutsche Kaiser Wilhelm II. dankte am 9. November ab. Gleich darauf wurden sowohl die Republik als auch die sozialistische Räterepublik ausgerufen. Die gescheiterte November-Revolution mündete in eine unruhige Frühphase der ersten deutschen Demokratie, bekannt als die "Weimarer Republik". 

Menschenmengen sammeln sich während der Novemberrevolution 1918 in München. Am 7./8. November 1918 proklamierte der bayerische Ministerpräsident Kurt Eisner den republikanischen «Freistaat Bayern». Seine Ermordung durch den nationalistischen Studenten Anton Graf von Arco wurde vor 90 Jahren am 21. Februar 1919 in München zum Signal für die Ausrufung der zweiten Münchner Revolution. Foto: dpa 
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Nach politischen Unruhen und einer horrenden Inflation beruhigte sich die politische Lage, Deutschland fand in den Kreis internationaler Politik zurück, bevor die Weltwirtschaftskrise 1929 auch das Deutsche Reich in seinen Sog zog. Die Nationalsozialisten kamen schließlich 1933 an die Macht, als Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde. Der Erste Weltkrieg gilt heute als eine der Hauptursachen für die Entwicklung hin zur Barbarei des Dritten Reichs mit dem Zweiten Weltkrieg als logische Fortsetzung der "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. "

Redaktion: K. Klink; Grafik: A. Brühl / dpa 
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Krieg als Spiel – Ausstellung in Kassel

Gesellschaftsspiele zum Ersten Weltkrieg zeigt das Museum für Sepulkralkultur in Kassel von Samstag (2. August) an in einer neuen Ausstellung. Schon vor dem Beginn des Krieges vor 100 Jahren nahm die Spieleindustrie das Thema auf und entwarf dazu Brett- und Kartenspiele, Strategie-, Lauf- und Geschicklichkeitsspiele. „Die Spiele waren für den häuslichen Familienabend gedacht. 




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Die Normalität, wie man den Krieg wahrnimmt, das ist das Erschreckendste für mich“, sagte Museumsleiter Rainer Sörries am Donnerstag. In der Schau „Krieg ist kein Spiel!“ sind bis zum 19. Oktober mehr als 60 Spiele des Sammlers Dieter Mensenkamp aus Detmold zu sehen. „Die Spielideen waren an aktuellen Ereignissen ausgerichtet“, betonte er.



Berliner Martin-Gropius-Bau zeigt „Farbfotografie vor dem Großen Krieg“ 



Der Berliner Martin-Gropius-Bau zeigt ab diesen Freitag Farbfotografien an der Schwelle zum Ersten Weltkrieg. Die Sonderausstellung „Die Welt um 1914 – Farbfotografie vor dem Großen Krieg“ vereint eindrückliche und selten zu sehende Bilder aus Europa, Asien und Nordafrika vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Sie geht auf drei große Projekte der Fotografen Albert Kahn, Sergei Michalowitsch Prokudin-Gorskii und Adolf Miethe zurück. Die bis 2. November zu sehende Ausstellung gibt zugleich einen tiefen Einblick in die Anfänge der Farbfotografie.

Indien, Bombay, Brahmanen und Sadhus, 17. Dezember 1913, Foto in der Ausstellung "Die Welt um 1914 - Farbfotografie vor dem Grossen Krieg" im Berliner Martin-Gropius-Bau. Foto: dpa 
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Mongolei, Ulaanbaatar, Verurteilter und Waerter im Gefangnis, 25. Juli 1913, Foto in der Ausstellung "Die Welt um 1914 - Farbfotografie vor dem Grossen Krieg" im Berliner Martin-Gropius-Bau.  
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 Frankreich, Paris, Eine Familie in der Rue du Pot de fer, 24. Juni 1914, Foto in der Ausstellung "Die Welt um 1914 - Farbfotografie vor dem Grossen Krieg" im Berliner Martin-Gropius-Bau.
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Bosnien-Herzegowina, Mostar, Alte Bruecke, 29. April 1913, Foto in der Ausstellung "Die Welt um 1914 - Farbfotografie vor dem Grossen Krieg" im Berliner Martin-Gropius-Bau.  
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Serbien, Krusevac, Geflugelverkaeuferinnen auf dem Markt, 29. April 1913, Foto in der Ausstellung "Die Welt um 1914 - Farbfotografie vor dem Grossen Krieg" im Berliner Martin-Gropius-Bau.  
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   Auf den Bildern sind neben Soldaten aus verschiedenen Teilen der Welt auch etliche Alltagsszenen zu sehen. Dokumentiert wird auch, wie Fotografien mehr und mehr auch zu Propagandazwecken eingesetzt wurden. Ferner wird technisches Wissen vermittelt, über die Entwicklung der ersten Farbfilme durch Kodak und Agfa, die ältere Dreifarbenfotografie oder Autochromie. In etwas anderer Form war die Ausstellung bereits in Bonn zu sehen.

   Kurz vor dem Ersten Weltkrieg war die Technik so weit, dass farbige Fotografien möglich wurden, erläuterte Ausstellungskurator Rolf Sachsse. Die Ausstellung bedient sich zu deren Dokumentation aus drei großen Projekten. Heraus ragen dabei die Arbeiten aus „Les Archives de la planète“ des Pariser Mäzens Albert Kahn. Etwas älter sind die Landschaftsdokumentationen des Berliner Fotochemikers Adolf Miethe, der 1902 Farbstoffe für die richtige Wiedergabe in fotografischen Schichten fand und ausprobierte. Der dritte Teil stammt von dem Russen Sergei Michalowitsch Prokudin-Gorskii, der ab 1908 im Auftrag des Zaren Russland in Farbe dokumentierte.

Texte / Grafiken: dpa













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