EM 2016- der Liveblog

EM 2016- der Liveblog

Aktuelle Spielstände und Hintergründe sowie Aktuelles abseits des Spielfelds finden Sie bei uns im Liveblog!

  • von Roland Schmitt-Raiser via Mediengruppe Main-Post GmbH & Co KG 7/1/2016 12:53:58 PM
  • von Roland Schmitt-Raiser via Mediengruppe Main-Post GmbH & Co KG 7/1/2016 12:53:19 PM
  • von Roland Schmitt-Raiser via Mediengruppe Main-Post GmbH & Co KG 7/1/2016 12:52:44 PM
  • von Roland Schmitt-Raiser via Mediengruppe Main-Post GmbH & Co KG 7/1/2016 12:51:55 PM
  • von Roland Schmitt-Raiser via Mediengruppe Main-Post GmbH & Co KG 7/1/2016 12:50:31 PM
  • von Roland Schmitt-Raiser via Mediengruppe Main-Post GmbH & Co KG 7/1/2016 12:49:36 PM
  • Mit diese Einschränkungen müssen viele Bewohner rund um das Teamhotel und das Trainingszentrum des DFB seit Wochen leben. An den Straßen wird kein parkendes Auto geduldet. Optimistisch sind die Franzosen ja: das Verbot gilt bis einschließlich 11. Juli - am 10. Juli ist das Endspiel in Paris.

  • Polizeieinsatz während des Trainings der Nationalmannschaft.
    Plötzlich herrschte ein wenig Aufregung rund um das Medienzentrum in Évian. Offenbar hatten die Sicherheitskräfte in der Avenue de la Dent d'Oche eine unliebsame Person ausgemacht. Die Straße liegt oberhalb des Trainingszentrums, und von den Balkonen und Fenstern einiger der hübschen Häuschen haben die Bewohner einen unverbauten Blick auf jenen Platz, auf dem Jogi Löw seine Jungs schwitzen ließ. Auf einem Bakon vermuteten die Flics offenbar einen Spion. Vielleicht sogar einen italienischen? Jedenfalls fuhr vor der Hausnummer 3 plötzlich ein Polizeiauto vor, mehrere Polizisten und Sicherheitskräfte schlichen durch den Garten auf den Balkon, ich war zufällig Zeuge der Aktion. Sogar zwei Soldaten mit Maschinengewehren standen vor dem Haus. Offenbar klärte sich die Sache aber schnell auf, das Einsatzkommando verschwand nach wenigen Minuten.

  • Beim Abschlusstraining der deutschen Nationalmannschaft in Évian vor dem Viertelfinal-Kracher am Samstag in Bordeaux gegen Italien waren alle 23 Mann an Bord. Bundestrainer Joachim Löw kann aus dem Vollen schöpfen. Am späten Nachmittag wird die Mannschaft in den Spielort im Westen des Landes fliegen, gegen 19.45 Uhr ist dann in Bordeaux noch eine Pressekonferenz mit dem Bundestrainer und Mesut Özil

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  • Irgendwie hatte der Abend mit Blick auf den See auch schon etwas von Abschiednehmen. Viele Kollegen brechen heute nach Bordeaux auf, wo am Samstag das Viertelfinale gegen Italien ansteht. Ein Spiel, das alle Optionen offen lässt. Auch für den Fall, dass die die deutsche Elf ins Halbfinale einzieht, würde der Tross spätestens Mitte nächster Woche die Zelte in Évian abbrechen. Das Halbfinale würde in Marseille gespielt werden, von dort würde es dann nicht mehr zurückgehen an den Genfer See, sondern direkt nach Paris - oder nach Hause.


  • Das Casino von Évian. Eine der wichtigsten Einnahmequellen des Städtchens am Genfer See. Die Purple Bar des Casinos war am Donnerstagabend Schauplatz einer Einladung des DFB an die Journalisten. Dessen Präsident Reinhard Grindel war genauso anwesend wie Ligapräsident Reinhard Rauball. Zahlreiche Kollegen waren gekommen, darunter auch Sportstudio-Moderatorin Kathrin Müller-Hohenstein.

  • von Roland Schmitt-Raiser via Mediengruppe Main-Post GmbH & Co KG 6/30/2016 4:01:23 PM
  • von Roland Schmitt-Raiser via Mediengruppe Main-Post GmbH & Co KG 6/30/2016 3:58:52 PM
  • Für alle Nostalgiker. Mein Kollege Tilmann Mehl aus Augsburg hat die wichtigsten Spiele Deutschland - Italien unter die Lupe genommen:

    Die deutsche Turnierbilanz gegen Italien ist auf den ersten Blick verheerend: acht Spiele, kein Sieg. Einige Unentschieden nutzten den Deutschen aber mehr als ihrem Gegner. Zudem lässt das letzte Spiel optimistisch auf das Viertelfinale blicken. Eine Übersicht über die wichtigsten Duelle der beiden Teams.

    Erster deutscher Sieg:
    Die ersten beiden Länderspiele gegen Italien hat Deutschland bereits verloren. Beim dritten Aufeinandertreffen 1929 in Turin überträgt erstmals ein Rundfunksender eine Partie. Eine gute Entscheidung. Das deutsche Team liegt schnell mit 0:1 zurück. Aber Josef Hornauer und Georg Frank mit seinem Treffer zehn Minuten vor Schluss drehen die Partie. Der erste Sieg einer deutschen Nationalmannschaft gegen Italien ist perfekt.

    Erstes Turnierspiel:
    In der Vorrunde der WM 1962 treffen beide Teams erstmals bei einem Turnier aufeinander. Nach einem langweiligen Kick endet das Spiel logischerweise torlos - was am Ende den Deutschen mehr hilft als den Italienern. Das Team von Sepp Herberger zieht als Gruppensieger ins Viertelfinale ein, Italien muss nach Platz drei die Heimreise antreten. Im Viertelfinale ist nach einem 0:1 gegen Jugoslawien auch für Deutschland Schluss. Weltmeister wird Brasilien.

    Das Jahrhundertspiel
    Italien versucht lange Zeit, die frühe Führung über die Zeit zu bringen. Kräfteschonend mit ausdauernden Fläzereien auf dem Feld. Verständlich, das Aztekenstadion liegt auf 2000 Meter Höhe, das Thermometer zeigt mehr als 40 Grad an und wenige Tage später steht das Finale der WM 1970 an. In der Nachspielzeit trifft aber Karl-Heinz Schnellinger (ausgerechnet Schnellinger). Der verdient sein Geld beim AC Mailand und hat bis dato kein einziges Tor in einem Länderspiel erzielt (und wird es danach auch nicht mehr tun). Es folgt die wildeste Verlängerung der WM-Geschichte. Die Deutschen spielen faktisch mit nur noch zehn Mann, nachdem sich Franz Beckenbauer in der zweiten Halbzeit das Schultereckgelenk gebrochen hatte und sich mit einer Armschlinge über den Platz schleppt. Deutschland geht trotzdem in Führung, Italien kontert schnell, erst zum 2:2, dann zum 3:2. Gerd Müller gleicht für die Deutschen in der 110. Minute aus, doch nur eine Minute später gelingt Gianni Rivera der Treffer, der das Spiel letztlich entscheidet. Vor dem Aztekenstadion wird eine Erinnerungstafel anlässlich des Spiels angebracht. Vollkommen erschöpfte Italiener haben beim 1:4 im Finale gegen Brasilien keine Chance.

    Verdiente Finalniederlage:
    Wie es die deutsche Mannschaft ins Finale der WM 1982 geschafft hat, ist eines der letzten ungeklärten Rätsel der Fußballgeschichte. Als gesichert gilt, dass die Schande von Gijon damit zu tun hatte, als sich Österreicher und Deutsche nach der Führung von Hrubesch auf einen Nichtangriffspakt einigten, da so beide Teams weiterkommen. Im Finale ist Italien klar überlegen, was sich durch die Tore von Rossi, Tardelli und Altobelli auch auf das Ergebnis niederschlägt. Paul Breitner gelingt mit dem 1:3 dezente Ergebniskosmetik

    Dank dem Schiedsrichter:
    Refferee Keith Hackett meint es 1988 gut mit EM-Gastgeber Deutschland. Die Elf liegt im Eröffnungsspiel 0:1 gegen Italien zurück. In einem langweiligen Spiel erzielt Roberto Mancini in der 53. Minute die italienische Führung. Drei Minuten später braucht Keeper Walter Zenga ein wenig zu viel Zeit, um den Ball wieder ins Spiel zu bringen. Meint zumindest Hackett und entscheidet auf Freistoß für Deutschland. Der Schuss von Andreas Brehme wird abgefälscht und landet schließlich im Netz. Das 1:1 führt letztlich dazu, dass Italien und Deutschland punktgleich ins Halbfinale einziehen. Dort scheiden beide Teams aus. Am Ende gewinnt Holland die EM.

    Köpke sorgt für Italiens Aus
    Im letzten Vorrundenspiel der EM 1996 müsste Deutschland schon mit vier Toren Unterschied verlieren, um noch auszuscheiden. Italien hingegen benötigt unbedingt einen Sieg, um sicher ins Viertelfinale einzuziehen. Aber Andreas Köpke zeigt, warum er zu den besten Keepern seiner Zeit gehört. Er pariert unter anderem einen Elfmeter von Gianfranco Zola. Das 0:0 ist am Ende zu wenig für Italien, das ausscheidet, weil Tschechien in der Nachspielzeit der Ausgleich gegen Russland gelingt. Oliver Bierhoff sorgt mit seinem Golden Goal gegen Tschechien im Finale für den bislang letzten EM-Triumph einer deutschen Mannschaft.

    Klinsmann vor den Bundestag:
    Drei Monate vor der WM 2006 im eigenen Land herrscht Panik in Deutschland. Einige Hinterbänkler des Bundestags fordern, Jürgen Klinsmann solle vor den Sportausschuss treten und sein weiteres Konzept vorstellen. Zuvor hatte sein Team beim 1:4 in Florenz eine pomadige Leistung gezeigt. Den einzigen deutschen Treffer erzielt dabei Robert Huth.

    Das Aus in der Verlängerung:
    Das deutsche Team kämpft, rennt, versucht alles - ist nicht zu vergleichen mit der Mannschaft, die im März in Florenz noch chancenlos war. Aber Italien ist im Halbfinale der WM 2006 besser. Fast schaffen es die Deutschen trotzdem ins Elfmeterschießen. Doch Fabio Grosso schlenzt den Ball in der 119. Minute ins deutsche Unglück. In der Nachspielzeit sorgt Alessandro del Piero für den Endstand. Das Endspiel gewinnt die Squadra Azzurra im Elfmeterschießen gegen Frankreich.

    Löw verzockt sich:
    Im Halbfinale der EM 2012 ist Deutschland ist Favorit. Eine Rolle, die Joachim Löw dazu verleitet, zu experimentieren. Er setzt Toni Kroos auf Andrea Pirlo an. Doch der Taktikkniff läuft ins Leere. Mario Balotelli bestraft zwei Unachtsamkeiten. Der Anschlusstreffer von Mesut Özil in der 90. Minute kommt zu spät. Im Finale gegen Spanien sind die Italiener chancenlos, verlieren 0:4.

    Demütigung für Italien:
    Im Frühjahr 2016 steht die deutsche Mannschaft nach dem 2:3 gegen England in der Kritik. Drei Tage später werden die Italiener beim 4:1 filetiert. Mit Dreierkette und Kroos sowie Özil im defensiven Mittelfeld dominieren die Deutschen. Ein 4:1 zwischen Deutschland und Italien drei Monate vor einem großen Turnier. Das gab es schon einmal 2006. Wiederholt sich Geschichte?
  • Tor de France

    Das Leben zwischen Wohl und Wehen

    Es gibt schöne Neuigkeiten aus unserem Haus am See. Kai aus Hamburg ist abgereist. Nein, das ist nicht die gute Nachricht. Die liegt im Grund seiner hastigen Flucht zurück nach Deutschland. Kai ist zum ersten Mal Papa geworden. Seit Wochen schon arbeitete er hier bei der EM unter ständiger Spannung, ein Leben zwischen Wohl und Wehen. Am Morgen nach dem Slowakei-Spiel erhielt er dann in Lille den entscheidenden Anruf. Kai kam rechtzeitig. Der Bub ließ sich Zeit, bis auch Papa im Kreißsaal dabei sein konnte. Mittlerweile hat er uns schon ein Bild geschickt von dem süßen Wonneproppen, natürlich mit Deutschlandfähnchen im Händchen. 52 Zentimeter groß und 3490 Gramm schwer ist Samuel, und der Blick auf das Foto ließ Erinnerungen wach werden an 1998. Die WM damals war mein erstes Turnier als Reporter. Es war ebenfalls in Frankreich, als ich die Nachricht erhielt, dass meine Schwester Zwillinge geboren hat. Heute werden Selina und Vanessa 18 Jahre alt. In diesem Glückwunsch vom Onkel an die beiden Mädels steckt auch eine Botschaft an Kai: Genieß‘ die Zeit, die jetzt kommt. Kinder werden soooo schnell groß.
    von Achim Muth / MAIN-POST via Mediengruppe Main-Post GmbH & Co KG 6/30/2016 1:11:40 PM
  • Scherze beim Espresso: Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff holte sich vor der Pressekonferenz noch einen Kaffee und plauderte im Medienzentrum ein wenig mit den Journalisten. Heute vor 20 Jahren erzielte Bierhoff im EM-Finale von Wembley in England beide Treffer zum 2:1-Erfolg im Finale gegen Tschechien. Der Siegtreffer war das erste so genannte Golden Goal der Fußballgeschichte. Zwei Jahrzehnte. Die Zeitspanne sei ihm so richtig bewusst geworden, als er heute mit Leroy Sané zum Training gefahren sei: Der Schalker Junge ist im Januar 1996 geboren worden. Bierhoff sagte, dass er mit Dankbarkeit auf das Finale zurückblicke. Ohne seine Tore wäre seine Karriere wäre sicher anders verlaufen, "vielleicht würde ich auch heute nicht hier sitzen".

  • Um 12.30 Uhr beginnt hier im Medienzentrum wieder die Pressekonferenz, die letzte hier vor dem Viertelfinale - und vielleich auch die letzte überhaupt? Nein, ich denke nicht. Zu Gast sind Manager Oliver Bierhoff sowie die Spieler Jerome Boateng und Toni Kroos. Eine Zusammenfassung gibt's wieder hier. Stay tuned!
    von Achim Muth / MAIN-POST via Mediengruppe Main-Post GmbH & Co KG 6/30/2016 10:17:06 AM
  • Italien gegen Deutschland - oder:
    Archetti gegen Muth


    Francesco Archetti ist ein lieber Kollege von der italienischen Sportzeitung Gazzetta dello Sport, er begleitet die deutsche Nationalmannschaft für das Blatt schon seit vielen Jahren. Er war auch in Brasilien dabei. Heute Morgen habe ich Francesco am Seeufer in Évian getroffen und zu einem kurzen Video eingeladen. Was wir tippen für das Viertelfinale am Samstag in Bordeaux? Seht selbst:

    Klicken Sie hier, um das Facebook-Video zu sehen
  • Gemütlicher Abend mit der DFB-Spitze auf der Terrasse.

  • Vorspeise: geröstetes Weißbrot mit gegrillten Crevetten, Chili und Kräutern.

  • Chefkoch Marko bei der Vorbereitung.

  • Aperitif auf dem Rasen.

  • Get together vor toller Kulisse. Von links: DFB-Mediendirektor Ralf Köttker, Jan Christian Müller (Frankfurter Rundschau), DFB-Präsident Reinhard Grindel sowie Vizepräsident Rainer Koch.

    Nudelsalat, Bruschetti & Lillet:
    DFB-Spitze zu Gast im Haus am See


    Die Idee entstand aus einer Laune heraus beim Fußballgucken vor eineinhalb Wochen. Wie wäre es, wenn wir den neuen DFB-Präsidenten Reinhard Grindel und seinen Vize, den Bayerischen Verbandspräsidenten Rainer Koch, einfach mal in unsere Villa einladen? Einfach so. Ohne Interviewwunsch, nur um sich besser kennenzulernen und vielleicht auch mal aufzuzeigen, wie wir Journalisten im Umfeld eines Turniers arbeiten. Die beiden gehören zur offiziellen DFB-Delegation bei dieser EM und wohnen nur ein paar Schritte von unserer Herberge entfernt - im besten Haus, das Évian zu bieten hat. Wir entschieden, es zu versuchen, Ich schrieb die Einladung per Facebook-Nachricht an Rainer Koch - und schon fünf Minuten später kam eine Antwort. Er fand die Idee gut und wollte sich mit Grindel abstimmen. Gestern Abend war es dann soweit, die DFB-Spitze kam zusammen mit Mediendirektor Ralf Köttker zu Besuch ins Haus am See. Wir hatten sogar aufgeräumt und in letzter Minute auch noch alte herumliegende Socken hinter eine Zimmertür geschaufelt. Marko, der beste Koch von allen, zauberte einen Nudelsalat mit getrockneten Tomaten, Feta und gerösteten Pinienkernen, und einen Couscous-Salat mit Basilikum, Tomaten und Gurken. Dazu gab es gebackene Kartoffelstücke und Spezialitäten vom Grill. Als Vorspeise wählten wir Bruschetti, mit Tomaten und Zwiebeln sowie kleinen gegrillten Garnelen und Kräutern. Marko kredenzte sogar einen Aperitif: Lillet-Tonic mit Erdbeerstückchen und frischer Minze. Meine Frau wäre begeistert gewesen. Wir hatten sogar eine Tischdecke und zwei Kerzen besorgt - und einen Kuchen für den Nachtisch. Ich glaube, unseren Gästen hat der Abend gefallen. Es wurde viel erzählt, gefragt, getrunken, gescherzt und auch ein wenig gestichelt, und als ein Regenschauer uns von der Terrasse vertrieb, wechselten wir einfach auf den überdachten Balkon mit Seeblick. Es war interessant, die Verantwortlichen des größten Sportfachverbandes der Welt (6,8 Millionen Mitglieder) so ungezwungen zu erleben. Irgendwann funkelten am anderen Ufer des See die Lichter von Lausanne. Es war schon lange dunkel, als Grindel, Koch und Köttker gingen. Wir machten uns ans Geschirr.

  • Putzen. Aufräumen. Saubermachen.
    Viel Arbeit im Haus am See

    Heute heißt es in unserem Haus am See: Putzen. Aufräumen. Saubermachen. Kochen. Wir erwarten ranghohen Besuch. Unsere Neun-Männer-WG hier hoch über dem Genfer See ist seit Tagen schon in Aufregung. Besorgungen müssen auch noch gemacht werden, wir wollen ja gute Gastgeber sein. Wer kommt? Das kann ich an dieser Stelle noch nicht verraten. Aber morgen werde ich das Rätsel natürlich auflösen.

  • Der Nachhintendenker

    Thomas Müller kennt den Schlüssel zum Erfolg gegen Italien und sucht Bestätigung auf ungewohntem Terrain

    Von Achim Muth

    Die Vergangenheit interessiert ihn nicht. 1970? 1982? 2006? 2012? „Es zählt das Hier und Jetzt“, sagt Thomas Müller. Vor dem Viertelfinale der Europameisterschaft am Samstag in Bordeaux gegen Italien, will der Stürmer ohne Tore nichts wissen von vergangenen und verlorenen Duellen gegen die Squadra Azzurra bei großen Turnieren. „Deutschland hat gegen Italien dort noch nie gewinnen können. Aber das hat mit künftigen Spielen nichts zu tun. Das ist Geschichte.“ Jetzt sei ein „guter Zeitpunkt, um diese Serie zu durchbrechen“, sagt Müller, „die Basis stimmt, wir sind gut in Form.“

    Zukunftsgewand, das ist seine Art. Neue Ziele. Neue Reize. Für Leistungssportler zählt immer nur der nächste Wettkampf, und es war ja Thomas Müller selbst, der sich erst vor wenigen Wochen in einem Gespräch in der Interviewkammer des Medienzentrums in Évian selbst mit diesem Wort charakterisiert hat: „Ich bin ein Nachvornedenker.“ Da hatte die Europameisterschaft noch nicht begonnen. Doch jetzt, nach bislang vier Spielen, muss der Offensivspieler seine Bestätigung und sein Selbstvertrauen aus anderen Quellen schöpfen als üblich. Der Torfluss, so scheint es, ist versiegt. Der Stürmer, der bei den Weltmeisterschaften 2010 und 2014 jeweils fünf Treffer erzielt hatte, dem in 75 Länderspielen 32 Buden gelungen sind, zieht seine Erfolgserlebnisse aus der Defensivarbeit. „Es macht Spaß“, sagt er, in der Abwehr mal einen Ball rauszuköpfen. So ist im Spiel aus Thomas Müller doch ein Nachhintendenker geworden.
    Mannschaftsdienlich wie noch nie
    Er ist im Achtelfinale knapp zwölf Kilometer gerannt. Er geht die langen Wege. Er wechselt ständig die Position. Er stibitzt dem Gegner den Ball vom Fuß wie ein Verteidiger. Vielleicht war der 26-Jährige vom FC Bayern München noch nie so mannschaftsdienlich wie in diesen Tagen in Frankreich. Nur selbst treffen, das gelang ihm bislang eben nicht. Thomas Müller ist klug. Er weiß, er wird an Toren gemessen. Deshalb begegnet er der Diskussion mit Pragmatismus: „Torschützenkönig ohne Titel zu sein, was würde mir das nützen?“ Die Situation nage nicht an ihm, sagt er. „Ich bin sehr entspannt“, und in der Tat wirkt er auch an diesem Vormittag alles andere als verkrampft. „Wenn wir so auftreten wie bislang, dann ist es eine Freude, in dieser Mannschaft zu spielen.“ Wer aber um seinen Ehrgeiz weiß und um seinen Drang, selbst jeden Trainingskick, jeden Schafkopf, jedes Golfspiel gewinnen zu wollen, der ahnt, dass er da eben doch eine kleine Rechnung offen hat mit sich selbst.
    Explosion gegen Italien?
    Vielleicht kommt die Explosion gegen Italien. Bei einem Müller, diesem Fußballschlitzohr ohne Gleichen, muss immer mit allem gerechnet werden. Dieses Viertelfinale wäre wie gemacht für ihn. Große Bühne. Vor vier Jahren, als der Bundestrainer ausgerechnet im EM-Halbfinale auf sein Unikum verzichtete, ging das Spiel gegen Italien 1:2 verloren. Jetzt könnte Müller der Mann sein, der die Pose des Schmachs aus der deutschen Erinnerung tilgen könnte: den nackten Oberkörper des damaligen Torschützen Mario Balotelli.
    Vorfreude aufs Viertelfinale
    Thomas Müller freut sich auf das Spiel. Das ist ihm anzusehen, und das ist rauszuhören aus seinen respektvollen Worten: „Ich spiele gerne gegen Italiener. Das sind gute Typen und Sportsmänner, und wenn’s mal gerumpelt hat, dann helfen sie einem auf.“ Mit den Klischees kann er nichts anfangen: Rustikaler Abwehrriegel? Ein Andrea Pirlo beispielsweise habe eher mit „einem feinen Füßchen als mit der Rasierklinge gespielt.“ Ständige Bewegung in den Grauzonen des Erlaubten? Geschenkt für einen wie Müller. „Ich verlange auch von mir und meinen Mitspielern, dass wir bei einer 1:0-Führung zwei Minuten vor Abpfiff nicht zum Einwurf sprinten und dem Balljungen den Ball aus den Händen reißen.“
    Erfolgsrezept: Ballbesitz
    Der Angreifer erwartet ein enges, ein heißes, ein schönes Spiel gegen eine Mannschaft, „die sich richtig reinhaut“. Das Italien 2016 habe klare Strukturen, eine eingespielte Abwehr und „Automatismen offensiv wie defensiv. Jeder weiß, wo der Mitspieler steht. Sie verteidigen als Mannschaft“, sagt Müller, „aber sie sind nicht undurchdringbar.“ Er glaubt, dass der Schlüssel zum Erfolg im Ballbesitz liegt. „Wir müssen gutes Pressing spielen, dann ist oft ihre einzige Lösung ein langer Ball. Wen wir da gut vorbereitet sind, werden wir viele Balleroberungen haben, nach denen es schnell gehen kann.“ Das Team von Antonio Conte würde einen hohen Aufwand betreiben. Geduld könnte gefragt sein, denn irgendwann würde Müdigkeit einsetzen, „dann werden sich Räume ergeben“.
    Und Müller? Er wird sich wieder in den Dienst der Mannschaft stellen. Er wird ackern. Er wird rennen. Er wird Positionen wechseln. Er nach vorne denken und nach hinten. Vielleicht wird er auch ein Tor schießen. „Ich würde mich nicht wehren“, sagt Müller. Im Training am Mittwoch hat er schon mal getroffen.
  • von Roland Schmitt-Raiser via Mediengruppe Main-Post GmbH & Co KG 6/29/2016 12:55:02 PM
  • von Roland Schmitt-Raiser via Mediengruppe Main-Post GmbH & Co KG 6/29/2016 12:54:18 PM
  • von Roland Schmitt-Raiser via Mediengruppe Main-Post GmbH & Co KG 6/29/2016 12:53:48 PM
  • von Roland Schmitt-Raiser via Mediengruppe Main-Post GmbH & Co KG 6/29/2016 12:53:20 PM
  • von Roland Schmitt-Raiser via Mediengruppe Main-Post GmbH & Co KG 6/29/2016 12:52:38 PM
  • von Roland Schmitt-Raiser via Mediengruppe Main-Post GmbH & Co KG 6/29/2016 12:51:52 PM
  • Mit Thomas Müller am Tisch
    War etwas ruhig die vergangenen Stunden hier, ich weiß. Ich hatte die Gelegenheit, an einer Interviewrunde mit Thomas Müller und Manuel Neuer teilzunehmen. Der Stürmer und der Torwart wollten beide nicht mehr groß in der Vergangenheit wühlen, sondern sehen das Hier und Jetzt: "Die Voraussetzung, um Italien zu schlagen, ist nicht die schlechteste", sagte Thomas Müller. Ich fasse das Gesagte jetzt zusammen. Es geht auch um Müllers Torflaute und Neuers Serie ohne Gegentor. In dem Viertelfinale gegen Italien stecken so viele Geschichten. Also: Stay tuned.

  • Passspiel mit Bastian Schweinsteiger

    von Achim Muth / MAIN-POST via Mediengruppe Main-Post GmbH & Co KG 6/29/2016 9:12:39 AM
  • Training der Nationalmannschaft bei bestem Wetter. 22 von 23 Spielern sind im Einsatz, nur Torhüter ter Stegen fehlt, wenn ich richtig beobachtet habe.

    von Achim Muth / MAIN-POST via Mediengruppe Main-Post GmbH & Co KG 6/29/2016 9:09:17 AM
  • Warten aufs Training...

    von Achim Muth / MAIN-POST via Mediengruppe Main-Post GmbH & Co KG 6/29/2016 9:01:27 AM
  • Volles Programm in Évian
    Heute stehen in Évian wieder vielfältige Medienaktivitäten im DFB-Medienzentrum auf dem Programm: Um 11 Uhr ist Training, bei dem die Journalisten wieder eine Viertelstunde zuschauen dürfen. Um 12.30 Uhr folgt dann eine Pressekonferenz mit Torwarttrainer Andreas köpke, Abwehrspieler Mats Hummels und Mittelstürmer Mario Gomez. Dazu gibt es im Interviewraum zahlreiche Einzel-Gespräche mit Spielern sowie Poolrunden, Interviews, die von mehreren Kollegen verschiedener Zeitungen gemeinsam geführt werden. Am Freitag reist das Team dann bereits ab nach Bordeaux, dem Spielort des Viertelfinals gegen Italien.

  • Ein neuer Tag in Évian. Eine neue Kolumne.


    Tor de France

    Mesut Özils Dank an das Nilpferd

    Natürlich juckt es in den Fingern. An diesem Tag nach dieser Nacht muss an dieser Stelle doch irgendetwas über diese famosen Isländer stehen. Oder ein Engländerwitz, macht ja sonst keiner. Aber dann fällt der Blick auf eine Nachrichtenseite: Bud Spencer ist tot. Waren das Zeiten, als in der Turnhalle des TSV Erlabrunn Ende der 70er Jahre ein fahrender Filmvorführer regelmäßig Halt machte. Die Fensterscheiben wurden mit Bettlaken zugehängt, und dann baute der Mann den Projektor auf und zeigte für drei Mark Eintritt Filme wie „Das Krokodil und sein Nilpferd“ oder „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“. Das Knattern des Projektors habe ich heute noch in den Ohren. Wir hatten oft Bauchschmerzen vor Lachen. Bud Spencer hat alle Ganoven verdroschen oder sie mit einem Faustschlag auf den Kopf ungespitzt in den Boden gerammt. Wenn er Hunger hatte, aß er einfach eine Bratpfanne voller Bohnen. Erst später erfuhr ich, welch großartiger Sportler dieser Carlo Pedersoli aus der Nähe von Neapel gewesen ist: Wasserball-Nationalspieler und als Schwimmer Teilnehmer bei den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki und 1956 in Melbourne. Zusammen mit Terence Hill bildete er danach eines der für mich witzigsten Filmduos nach Stan Laurel & Oliver Hardy. Die Streifen kamen niemals in den Verdacht einer Filmpreisnominierung, haben es aber doch in die Hitliste meiner Jugenderinnerungen ziemlich weit nach oben geschafft. Im Turnhallenkino siegte das Gute immer, und hätte nicht dieser mächtige Italiener mit einer seiner berühmten Doppelbackenschellen auch Gevatter Tod wieder heimschicken können? Nun sage keiner, ich würde in dieser EM-Kolumne vom Thema abschweifen. Im Teamhotel in Évian-les-Bains, keine 500 Meter von unserem Haus am See entfernt, saß an seinem freien Tag gestern Mesut Özil und schickte eine Nachricht über die sozialen Netzwerke: „Thank you for everything. R.I.P. Bud Spencer“. Die letzte Klappe ist gefallen.

  • Ein bestens gelaunter Bundestrainer Joachim Löw auf dem Weg zur Pressekonferenz.

    Bundestrainer Joachim Löw stapelt tief:
    "Bescheidenheit und Demut sind das Gebot der Stunde!"

    Eine Dreiviertelstunde lang hat ein gute gelaunter Bundestrainer Joachim Löw seine Einschätzung vor dem Spiel gegen Italien am Samstag dargelegt. In der Pressekonferenz in Évian sprach der 56-Jährige davon, "dass Bescheidenheit und Demut das Gebot der Stunde sind". Obwohl die deutsche Nationalmannschaft in diesem Turnier noch ohne Gegentor ist und sich zunehmend besser findet, will Löw "die Bälle flach halten". Gegen den viermaligen Weltmeister erwartet er ein "zähes Spiel", Verteidigen sei den Italienern in "Fleisch und Blut übergegangen". Dass Deutschland bislang in einem Turnier noch nie gegen Italien gewonnen hat, ist für Löw "kalter Kaffee", wie er sagte. Die Vergangenheit interessiert ihn nicht mehr. Tunlichst vermeiden sollte das DFB-Team einen Rückstand, weil der Gegner dann die Räume in der Defensive noch enger machen würde, "und dann hauen sie auch mal mit einem Lächeln einen Ball auf Tribüne". Allerdings strahlte der Bundestrainer in dieser munteren Fragestunde im Plauderton auch eine große Zuversicht aus: Er freue sich auf das Spiel, sagte Löw, vor allem auch, weil er noch eine persönliche Rechnung offen hat. 2012 im EM-Halbfinale verzockte er sich, wollte Mittelfeldregisseur Pirlo aus dem Spiel nehmen und vernachlässigte dadurch andere Spieler wie Balotelli. "Dieser Plan ist nicht aufgegangen, und dafür übernehme ich die Verantwortung", wiederholte Löw frühere Aussagen. Das 0:2 von Warschau sei aber auch lehrreich gewesen und habe ihn in seiner persönlichen Entwicklung weitergeholfen. Am Dienstag hat er seinen Spielern nochmal freigegeben, ab Mittwoch sollen dann im Training die Reize gesetzt werden. Das Trainerteam wird in den nächsten Tagen am Matchplan tüfteln, und dabei setzt der Bundestrainer auf einen Kader, der fit ist und der ein Gerüst besitzt aus Spielern, die seit 2010 dabei sind. "Das ist ein Vorteil."

  • Wohin führt der Weg nach dem Viertelfinale:
    Marseille oder Frankfurt?

    Bei unserer Strandung gestern in Bellegarde habe ich im kleinen Bahnhof diesen Warnhinweis für Rollstuhlfahrer gefunden - in der Tat war die Rampe zur Gleisunterführung nicht ohne. Wohin führt der Weg für die deutsche Nationalmannschaft? Der Gegner im Viertelfinale steht jetzt fest: Italien. Die Squadra Azzurra war zwar bereits viermal Weltmeister, wie Deutschland, aber erst einmal Europameister: 1968 im eigenen Land nach einem Wierholungsspiel im Finale gegen Jugoslawien. Die deutsche Elf hat bereits dreimal den kontinentalen Titel gewonnen: 1972, 1980 und 1996. Das Aufeinandertreffen am Samstag in Bordeaux ist ein Klassiker des intenationalen Fußballs, und ich bin gespannt, ob diese Serie reißen wird: Noch nie hat eine DFB-Elf bei einem Turnier gegen Italien gewonnen. Der Sieger wird dann im Halbfinale am 7. Juli in Marseille auf den Gewinner der Partie Island (!) gegen Frankreich treffen. Wie er die Lage einschätzt, wird Bundestrainer Joachim Löw heute auf der Pressekonferenz in Évian ab 10.30 Uhr erklären. Stay tuned.

  • Island im Viertelfinale und
    was deshalb hier auf dem Index steht

    Auf geht's in eine neue Woche in unserer Textwerkstatt in Évian-les-Bains. War das ein Achtelfinale in Nizza? Wir haben uns in unserer Fernseh-Lounge der Neun-Männer-WG kräftig die Augen gerieben ob der Abwehrleistung der Isländer. England raus! Island im Viertelfinale gegen Frankreich! Die Überraschung des Turniers bislang. P.S.: Falls Sie hier irgendwelche lustigen Brexit-Überschrift oder Witzchen über Englands EM-Austritt erwarten, wechseln Sie doch rasch rüber zu Facebook oder Twitter. Dort werden Sie gerade allerbestens bedient von allerlei kreativen Zeitgenossen. Hier in diesem Blog: Never ever.

  • Dann mal noch viel Spaß beim Fußballgucken: Island gegen England. Morgen geht's dann weiter hier: Um 10.30 Uhr ist eine Pressekonferenz in Évian angekündigt mit Bundestrainer Joachim Löw. Die Spieler, so vermuten wir, dürfen wieder einen freien Tag genießen. Mittwoch, Donnerstag wird dann wieder trainiert, bevor der Tross am Freitag nach Bordeaux abreisen wird. À demain!
  • Löw zum Viertelfinal-Gegner:
    "Erwarte heiß umkämpftes, intensives Spiel"


    In einem kurzes Interview mit der DFB-Pressestelle hat sich Joachim Löw zum Viertelfinal-Gegner Italien geäußert. Der Bundestrainer zeigte sich beeindruckt von der Defensivleistung der Italiener und von ihren schnellen Kontern. Es wird ein interessantes Spiel, "mit Italien trifft die älteste Mannschaft des Turniers auf die jüngste", so Löw. Defacto stimmt sein Vergleich allerdings nicht, denn die Aussage bezieht sich auf den Kader, nicht auf die Startelf. Wie dem auch sei: "Deutschland hat bei einem Turnier noch nie gegen Italien gewonnen. Wir haben die Gelegenheit, das umzukehren", sagte er.
  • Sicherheit wird groß geschrieben bei der Europameisterschaft in Frankreich. Das Militär, wie hier in der Metro in Paris, sowie die Polizei sind sehr präsent. Auch an den Stadien wird fleißig kontrolliert . . .

    Tor de France

    Die Piep-Show in Lille

    Nun, da diese EM torreicher und noch stimmungsvoller zu werden scheint, ist auch das Gefühl der Bedrohung gewichen. Vor wenigen Wochen wurde in Zusammenhang mit diesem Fußballturnier mehr über die Terrorgefahr geschrieben, denn über Angriffe mit einem Ball. Ach, wenn die Welt immer nur spielen würde und nicht zündeln. Jedenfalls hat sich in die Kontrollen am Medieneingang der Stadien eine, sagen wir so, angenehme Routine eingeschlichen. Wurde vor den ersten Spielen jede Naht des Rucksacks gefilzt, so genügt den Wächtern mittlerweile ein flüchtiger Blick ins Hauptfach. Trotzdem musste ausgerechnet ich in Lille vor dem Stade Pierre Mauroy diesmal länger warten als üblich. Schon oft sind unsere Körper an diesen Sicherheitsschleusen von Menschen mit Detektoren umrissen worden, niemals hat das Gerät gepipst. Doch plötzlich in Lille: Piep. Piep. Piep. Der Wächter schaut mich fragend an. Ich prüfe die Hosentaschen. Keine Münzen. Kein Schlüssel. Kein Handy. Nur leere Taschen. Da fällt es mir ein. Es hat dann doch etwas gedauert, bis ich dem französischen Kontrolleur den Begriff „künstliches Hüftgelenk“ erklärt hatte.

  • Julian Draxler: „Das war ein Ausrufezeichen“

    Das neue deutsche Zauberfüßchen über seine Tricks,
    sein neues Selbstbewusstsein und Löws klaren Auftrag an ihn


    Von Achim Muth

    Es war das beste von seinen bislang 22 Länderspielen: Im Achtelfinale der Europameisterschaft gegen die Slowakei war Julian Draxler der Schlüssel zum Erfolg. Der 22-Jähige vom VfL Wolfsburg rückte für Mario Götze wieder ins Team und überzeugte mit einem selbstbewussten Auftritte, tollen Vorlagen und einem Tor. Seine Sololäufe eröffneten dem deutschen Spiel zahlreiche Möglichkeiten. Ob Bundestrainer Joachim Löw, Kapitän Bastian Schweinsteiger oder Abwehrspieler Benedikt Höwedes, alle waren sie nach dem 3:0-Sieg voll des Lobes über das Talent, das langsam auf Touren kommt. Stürmer Mario Gomez, dem Draxler das 2:0 maßgescneidert aufgelegt hatte, bezeichnete den Wolfsburger sogar als "Zauberfüßchen". Nach der Partie stellte sich Julian Draxler im Keller der Arena in Lille den Fragen. Ein Gespräch über Selbstvertrauen, den Sportsgeist im Team und SMS-Nachrichten: „Wenn man gewinnt, hat man die meisten Freunde.“

    Wie fällt Ihre Bilanz aus nach diesem souveränen Einzug ins EM-Viertelfinale?

    Julian Draxler: „Wir haben ein gutes Spiel gemacht heute, und ich konnte einen großen Teil dazu beitragen, dass wir verdient gewonnen haben.“

    Noch vor kurzem sagte Bundestrainer Joachim Löw, dass es in Deutschland keine Eins-gegen-eins-Spieler gibt. Heute haben Sie ihn widerlegt.

    Draxler: „Gegen Polen war es so, dass wir von diesen Situationen viel zu wenig hatten. Da gebe ich dem Bundestrainer Recht. Es war eine klare Ansage von ihm an mich, dass er mich in diesen Eins-gegen-eins-Duellen sehen will. Und wenn man spielen möchte, sollte man umsetzen, was der Trainer sagt.“

    Es gehört viel Selbstvertrauen zu solchen Dribblings.

    Draxler: „Ja, das stimmt. Besonders in Spielen, in denen man in den ersten zwei Situationen hängenbleibt. Wieder und wieder reinzugehen, ist nicht so einfach. Da brauchst du Mitspieler und Trainer, die dir den Rücken stärken. Heute ist mir gleich von Anfang an viel gelungen. Das war optimal für mich.“

    Sie haben richtig Spielfreude verbreitet und einige spektakuläre Tricks gezeigt.

    Draxler: „Es ist aber nicht so, dass rein gehe und sage: ‚Jetzt versuche ich mal zu zaubern.‘ Aber klar, heute ist mir viel gelungen. Es war ein rundum gelungener Tag.“

    War das Ihr bislang bestes Länderspiel?

    Draxler: „Es gehört sicherlich zu den besseren. Ob es das Beste war, weiß ich nicht, das sollen andere beurteilen.“

    Wann haben Sie von Ihrem Einsatz erfahren?

    Draxler: „Der Bundestrainer lässt sich generell nicht gerne in die Karten schauen. Am Morgen des Spiels hat er es mir mitgeteilt. Ab da war mir klar: Jetzt zählt's.“

    Waren Sie überrascht?

    Draxler: „Ja, ich war schon ein bisschen überrascht darüber. Aber ich hatte gut trainiert und war natürlich glücklich, als er es mir gesagt hat.“

    Könnte dieses Länderspiel zu einem Wendepunkt in Ihrer Länderspielkarriere werden?

    Draxler: „Das war heute mal ein Ausrufezeichen bei einem großen Turnier, nachdem ich mich bei der WM noch hinten anstellen musste. In einem EM-Achtelfinale zu treffen, ist etwas ganz Besonderes.“

    Sie haben nicht nur ein Tor geschossen, sondern auch eines mit einem schönen Solo vorbereitet. Wie wichtig ist Mario Gomez als Anspielstation?

    Draxler: „Wir brauchen nicht darüber zu reden, dass Mario da vorne sehr präsent ist und Räume für uns schafft. Und gerade beim zweiten Tor hat man gesehen, dass er dort steht, wo ein Stürmer stehen muss. Das braucht man ihm nicht zu sagen, das hat er im Blut. Von daher ist er sehr wichtig für uns.“

    Haben Sie den Platz auf der linken Seite nun sicher?

    Draxler: „Natürlich ist es das Ziel, immer zu spielen. Heute habe ich sicher gute Argumente geliefert.“

    Wie ist das Verhältnis zu Ihrem Konkurrenten Mario Götze, haben Sie mit ihm gesprochen?

    Draxler: „Mario hat mich vor dem Spiel ermutigt, Gas zu geben, wie ich es bei ihm im Spiel davor getan habe. Das ist fairer Sportsgeist zwischen uns allen. Der gehört dazu, wenn du Europameister werden willst. Das war bei der WM nicht anders.“

    Es gibt einige Spieler, die noch keine Sekunde im Einsatz waren bei diesem Turnier. Sie können da gut mitfühlen?

    Draxler: „Richtig, die Situation kenne ich zu gut. Aber gerade die Jungs hier machen das klasse im Training, bleiben weiter dran. Für mich ist es natürlich schön, dass ich Spielzeiten erhalte, dass ich zeigen kann, was ich drauf habe. In Brasilien ist es mir auch nicht einfach gefallen, ständig draußen zu sitzen. Aber das gehört bei so einer großen Fußballnation eben auch mal dazu.“

    Italien oder Spanien, wer ist ihr Wunschgegner im Viertelfinale?

    Draxler: „Da gibt es keine Präferenz. Italien und Spanien sind jeweils große Fußballnationen mit super Mannschaften. Es wird so oder so ein harter Brocken.“

    Von wem war nach dem Spiel die erste SMS auf dem Handy?

    Draxler: „Da habe ich noch gar nicht reingeschaut. Es waren einige. Wenn man gewinnt und ein Tor schießt, hat man die meisten Freunde.“
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