EM 2016- der Liveblog

EM 2016- der Liveblog

Aktuelle Spielstände und Hintergründe sowie Aktuelles abseits des Spielfelds finden Sie bei uns im Liveblog!

  • Blumengruß aus Évian.

  • Die berühmte Cachat-Quelle, aus der Évian-Wasser sprudelt.

  • So eine Art Wahrzeichen von Évian: Phantasievolle Holzfiguren sieht man an vielen Ecken des Städtchens.

  • Kaum ein Geschäft oder Lokal kommt ohne EURO-Werbung aus.

  • Der Marktplatz von Évian-les-Bains.

  • Der Lack ist ab an so mancher Stelle in Évian: Unbewohntes Haus am marktplatz.

  • Das ist Marc Francina, der Bürgermeister von Évian-les-Bains. Mit ihm hatte ich mich dieser Tag im DFB-Medienzentrum verabredet, um eine kleine Bilanz aus Sicht des Gastgebers zu ziehen.

    Die hüpfenden Pinguine von Évian-les-Bains

    1,6 Millionen Euro hat die Stadt investiert, um den Weltmeister beherbergen zu dürfen. Bürgermeister Marc Francina zieht eine Bilanz.

    Marc Francina ist ein Mann mit Humor. Der Bürgermeister von Évian-les-Bains trägt über seinem Bauch gerne Krawatten mit lustigen Comicmotiven, und wenn er einen Scherz macht, lacht er selbst am lautesten. Da ist zum Beispiel die Geschichte mit den Tulpen und den Deutschen. Lange bevor der Fußball-Weltmeister sein Quartier im Kurort am Fuße der mächtigen Savoyer Alpen aufgeschlagen hat, war Francina die Idee mit dem Blumenstrauß in den deutschen Nationalfarben gekommen. Ein lokaler Radioreporter wettete, dass es Francina nicht gelingen würde, schwarze Tulpen aufzutreiben. Diese Art ist selten, und ein bisschen erinnert die Geschichte an Alexandre Dumas‘ berühmten Roman. Natürlich, sagt Francina, hat er welche bekommen. Bien sûr.
    Die Jagd nach schwarzen Tulpen
    Er hat sie dann zuhause in seiner Gefriertruhe aufbewahrt, und als die berühmten Gäste am 7. Juni angekommen waren in seiner Stadt, da drückte er dem DFB-Präsidenten Reinhard Grindel tatsächlich einen Strauß mit schwarz-rot-gelben Tulpen in die Hand. Wette gewonnen.
    Was Bewegung angeht, hält es der Politiker der Républicains mit Winston Churchill. „No Sports“, sagt Marc Francina im Interviewraum des Medienzentrums, dort wo sonst Müller, Neuer und Boateng mit den Journalisten sprechen. Doch als im vergangenen Jahr plötzlich eine DFB-Delegation mit Grindel an der Spitze in seinem Rathaus gestanden hatte, habe es keine fünf Minuten gedauert, ehe er den Deal zugesagt habe. Mit dem Hotel Ermitage seien die Deutschen da bereits klar gewesen. Insgesamt hat Évian-les-Bains rund 1,6 Millionen Euro in das Projekt EM-Quartier gesteckt, berichtet Francina. Der Löwenanteil floss in die Infrastruktur, den Bau des Medienzentrums rund um die Handball- und Petanquehalle sowie die Modernisierung des Stadions, „an dem seit 1964 nichts mehr gemacht worden war“, so der Bürgermeister. 185 000 Euro habe allein der neue Rasen gekostet, 300 000 Euro seien direkt an den DFB als Provisionszahlung geflossen. Eine große Debatte über das Engagement im Stadtrat habe es nicht gegeben, sagt Francina und lacht: „Ich habe die Mehrheit.“
    Sprundelnde Einnahmen
    Geld, so scheint es, hat die Kommune auch. Évian ist Wasser. Die weltberühmte Quelle Cachat lässt nicht nur Mineralwasser sprudeln, sondern auch Einnahmen. Acht Millionen Euro jährlich, so sagt Francina, erhält die Stadt vom Danone-Konzern dafür, dass er das Wasser vermarkten darf. Dazu kommen drei Millionen Euro pro Jahr als eine Art Glücksspielsteuer aus dem Betrieb des Casinos am Seeufer, das wie die Hotels Ermitage und Royal, in denen der DFB logiert, zum Imperium des französischen Joghurtriesen zählen.
    Der Bürgermeister ist begeistert
    Seit 1995 ist Marc Francina im Amt, und über den Coup, den Weltmeister nach Évian geholt zu haben, ist er glücklich. „Die Werbewirksamkeit ist enorm. Évian ist in Deutschland seit Wochen Gegenstand der Berichterstattung. Das ist ein unbezahlbarer Effekt.“ Francina hofft auf einen Schub für den Tourismus. Deutsche Fans allerdings haben sich in den Wochen der EM kaum verirrt hier an den Genfer See, und auch den Ort selbst scheint das Fußballfieber nicht gepackt zu haben. Évian wirkt betulich und ein wenig aus der Zeit gefallen.
    Es gibt "Deutsche Druck Bier"
    Der Glanz der Stadt ist abgeblättert wie die Farbe an den Fassaden der Häuser. In vielen Geschäften hängen zwar bunte Fähnchen der EM-Teilnehmer, und die Bar „Le Salon“ in der Fußgängerzone wirbt zwar Plakaten mit einem „Deutschen Monat“ und „Deutsche Druck Bier“. Doch wenn, dann verirren sich nur ein paar Reporter aus dem Weltmeisterland hierher. Insgesamt sind rund 200 Journalisten für das deutsche Medienzentrum akkreditiert, sagt Jens Grittner, Sprecher der Nationalmannschaft.
    Autogramme von Sami Khedira
    Sollte das deutsche Team den Titel gewinnen, stünden Einnahmen von 25 Millionen Euro Ausgaben von 23 Millionen gegenüber. Das hat DFB-Präsident Reinhard Grindel neulich vorgerechnet. Dass sich der Besuch auch für Évian lohnen wird, dessen ist sich Marc Francina, der Bürgermeister, sicher. Évian ist in Deutschland nicht mehr nur Wasser. Évian hat jetzt auch ein Gesicht. Der Monat habe ihm Freude gemacht, sagt er. Es habe ihm gefallen, wie die Kinder des Ortes beim öffentlichen Training die Namen der deutschen Spieler gerufen haben, und als eine Grundschulklasse aus der Partnerstadt Neckargemünd dieser Tage am Teamhotel wartete, kam tatsächlich Sami Khedira heraus und schrieb geduldig Autogramme. „Das war sehr charmant“, sagt Francina.
    Ein paar Tage noch. Dann sind sie wieder weg, die Deutschen. Der Weltmeister wird am Mittwoch nach Marseille zum Halbfinale aufbrechen und nicht mehr zurückkehren. So oder so. Zurück bleiben Erinnerungen und eine moderne Sportanlage. Auf dem Weltmeisterrasen wird künftig die Mannschaft des Union Sportive Evian Lugrin kicken. Welche Liga? Marc Francina lacht, und die kleinen Pinguine auf seiner Krawatte hüpfen. Er weiß es nicht.

  • Noch eine Info, die der DFB hat als SMS verschickt hat: Gast auf der Pressekonferenz um 10.30 Uhr in Évian wird Bundestrainer Joachim Löw sein. Um 11.30 Uhr steht eine Trainingseinheit an.
  • Mein längster Tag
    Manchmal ist es erstaunlich, was alles in einen Tag hineinpasst. Der Sonntag zum Beispiel. Den haben wir begonnen mit Interviews in der Mixed-Zone des tollen Stadions von Bordeaux. Mit seinen eleganten weißen Stelzen könnte es auch gut als modernes Museum durchgehen. Eine Schönheit und diesen sonst Multifunktionsarenen, die oft den Charme einer Heringsdose haben. Für die Architektur war das Büro Herzg & de Meuron verantwortlich, das auch die Allianz Arena in München oder die Elbphilharmonie in Hamburg entworfen hat. Das nur nebenbei. Gegen 1.30 Uhr war dann Schicht im Schacht. Die Mannschaft weg und wir machten uns auf zur Straßenbahn. Mit der Linie A ging es 14 Stationen in den Süden, dann der Wechsel in die Linie C. Nochmal sieben Stationen, um 3 Uhr lagen wir in unseren Hotelbetten. Der Wecker klingelte um fünf Uhr. Fahrt zum Flughafen. Bei einer Rosinenschnecke und Orangensaft habe ich die Stimmen der Spieler abgetippt. Um 7.20 Uhr hob der Vogel ab Richtung Lyon. Ankunft 8.15 Uhr. Es folgte eine Wanderung über gefühlt fünf Kilometer zum Ausgang. Mein netter Kollege Christian vom "Kölner Stadtanzeiger" ist diesmal gefahren. Auf der Rückbank hatten wir noch Guido vom "Bonner Generalanzeiger" und Franchesco Archetti, der am lago Maggiore wohnt und für die "Gazzetta dello Sport" seit Jahren über den deutschen Fußball berichtet. Ruhig rollten wir dahin und draußen zog eine beeindruckende Landschaft an uns vorbei, die rasch immer bergiger wurde. Irgendwann sahen wir das weißleuchtende Massiv des Mont Blanc, ehe unser Blick irgendwann über den in mehreren Blautönen schimmernden Genfer See schweifte. Nach zwei Stunden und zehn Minuten waren wir wieder in Évian-les-Bains. Schnell etwas frisch machen, dann ab ins Pressezentrum des DFB zum Schreiben. Das Drama vom Elfmeterpunkt lieferte Stoff in Hülle und Fülle und es galt, die Gedanken zu sortieren. Ich konzentrierte mich auch Jonas Hector, der in der Mixed Zone lange bei uns Halt gemacht hatte. Gegen 15.30 Uhr hatte ich meine Texte im Kasten und ich fuhr zurück ins Haus am See, um zu packen. Ich bin nämlich für einen Tag ausgebrochen aus dieser EM. Über Montreux, Bern, Zürich (angenehme Pause), Singen, Villingen-Schwenningen (Tankstopp mit Bockwurst-Kauf), Stuttgart und Heilbronn bin ich nach Hause gefahren nach Erlabrunn, wo ich um 22.33 Uhr ankam. Ich sah noch die letzten Minuten des Frankreich-Spiels auf der Couch, dann schlief ich ein. Morgen schon geht's wieder zurück. Weshalb? Ihre Frage ist berechtigt. Der Grund ist ein triftiger: Meine Mutter hat heute Geburtstag und wird 70 Jahre alt.

  • Wehmut kommt auf

    Die Tage werden weniger. Irgendwie mischt sich in die Stimmung im Haus am See auch schon ein bisschen Wehmut. Und Freude auf Daheim. Seit über fünf Wochen snd wir jetzt schon zusammen unterwegs. Das Trainingslager in Ascona kommt uns schon fast wieder unwahr vor. Seit 7. Juni sind wir in unserer Neun-Männer-WG schon in Neuvecelle, einem kleinen Ort, der direkt an Évian-les-Bains rangeklebt ist. Wir haben gelacht, geschrieben, gekocht, gefeiert, geschlafen, gedacht, getrunken - nur gezofft, gezofft haben wir nicht. Also fast nicht. Jetzt geht's in diese letzte Woche der Europameisterschaft, die dahinrasen wird wie der TGV durchs französische Flachland. Wahrscheinlich werden wir am Mittwoch die Zelte abrechen und nach Marseille reisen, wo am Donnerstag Deutschland auf Frankreich treffen wird. Wieder ein Klassiker. Bei einer Europameisterschaft haben beide Mannschaften noch nie gegeneinander gespielt, aber was waren das für spannende Partien bei Weltmeisterschaften! 1982 und 1986 siegte die DFB-Elf jeweils im Halbfinale, 2014 gabe es in Brasilien im Viertelfinale ein umkämpftes 1:0 durch ein Mats-Hummels-Tor. Und jetzt?
    Von Marseille aus geht es dann entweder nach Paris zum Finale - oder nach Hause.

  • Mir ist aufgefallen, dass die Fans in den Stadien sehr einheitlich das jeweilige Nationaltrikots tragen. So ergibt sich oft eine regelrechte Choreo: Die Isländer bilden eine blaue Wand, die deutschen eine weiße, die Waliser eine rote und so weiter. Schwenkt die Kamera in die Ränge, zeigt sich, dass diese Fans oft ein und denselben Trikot-Typ anhaben. Frage deshalb: Ist das von den Fußballverbänden gesteuert - weil solche Trikots vor Spielbeginn verteilt oder günstig verkauft werden? Oder reiner Zufall?
    von Jürgen Haug-Peichl via Mediengruppe Main-Post GmbH & Co KG 7/4/2016 5:47:25 AM
  • Ein langer Tag geht in die Verlängerung. Erst gegen 3 Uhr waren wir nach dem Viertelfinale wieder in unserem Hotel in Bordeaux. Die Fahrt mit der Straßenbahn kam einem so lange vor wie eine Zugfahrt von Würzburg nach Hamburg. Um 5 Uhr hat dann der Wecker schon wieder geklingelt. Mit dem Taxi ging's zum Flughafen, und von dort mit dem Flieger nach Lyon. Mit dem Kollegen Christian von der Kölner Rundschau ging es dann im Auto die rund 200 Kilometer zurück nach Évian, eine Fahrt durch herrliche Landschaft und mit kurzem Blick auf das schneebedeckte Massiv des Mont Blanc. Jetzt sitze ich wieder im Pressezentrum und hacke meine Texte ins Laptop. Stay tuned! Auch die nächsten Tage werden spannend.
    von Achim Muth / MAIN-POST via Mediengruppe Main-Post GmbH & Co KG 7/3/2016 12:16:27 PM
  • Ein Held wider Willen

    Mit dem ersten Elfmeter seiner ungewöhnlichen Profikarriere
    bringt Jonas Hector die Nationalmannschaft ins EM-Viertelfinale


    Von Achim Muth

    Da stand er nun. Hände in den Hosentaschen. Unsicherer Blick. Von der anderen Seite der hüfthohen Gitter im Keller des neuen Stadions ragte ihm ein Dickicht aus Armen mit Aufnahmegeräten ins Gesicht. Diese nervenzerreißende Nacht von Bordeaux, sie hätte einen Helden zeugen können. Doch Jonas Hector ist das Gegenteil. Die Aufmerksamkeit, so scheint es, ist ihm fast peinlich. Der 26-Jährige vom 1. FC Köln überwand Gianluigi Buffon mit dem entscheidenden Schuss im Elfmeterschießen. Erstmals hatte eine deutsche Fußball-Nationalelf die „Squadra Azzurra“ in einem Turnierspiel bezwungen, zieht ins Halbfinale der Europameisterschaft in Frankreich ein. Und nun, weit nach Mitternacht, stand Jonas Hector einfach nur da, und wenn er sich tatsächlich gefreut hat, so hat er es sehr gut verborgen. „Was soll ich jetzt machen?“, fragte er in die Runde der Journalisten, und gab sich die Antwort selbst: „Ich muss vor den Mikrofonen stehen. Und dann würde es Ihnen ja auch nichts bringen, wenn ich hier rumspringe.“
    Zwergstern im Profi-Universum
    Wenn der gockelhafte Marketingkicker Cristiano Ronaldo von Real Madrid im Universum des Profifußballs die Sonne ist, dann ist Jonas Hector vom 1. FC Köln so etwas wie ein Zwergplanet. Einer, der nicht gerne im Rampenlicht steht und der in der Stunde seines bislang größten Erfolges Sätze sagt wie diesen: „Man sollte die anderen Spieler auch nicht einfach so hinten runterfallen lassen.“ Er habe vielleicht den letzten Elfer verwandelt, „aber ohne den Manu wäre es dazu nicht gekommen und ohne diejenigen, die auch getroffen haben, ebenfalls nicht.“
    Und doch ist dieser Aufstieg des Jonas Hector vom Dorfkicker zum Nationalspieler eine fast märchenhafte Geschichte. Erst vor vier Jahren gelang ihm als damals 22-Jähriger unter Trainer Holger Stanislawski der Sprung in den Profikader des 1. FC Köln, für den er davor zwei Spielzeiten bei den Amateuren gekickt hatte. Entwachsen ist der Saarländer keinem der vielen Jugendfußballinternaten, sondern seinem Heimatverein aus Auersmacher, einem 2500-Einwohner-Dorf an der Saar, direkt an der französischen Grenze.
    Kirchenglocken läuten
    Hier fing Hector in der G-Jugend das kicken an, und hier läutete der Pfarrer die Kirchenglocken, als der bekannteste Sohn des Dorfes den Elfmeter verwandelt hatte. Auf der Homepage des SV Auersmacher steht ein Mannschaftsbild, darunter der Schriftzug: „Wir sind Jonas.“ Seine Jugend, seine Kumpels, Hector möchte dieses behutsame Reinwachsen in den Profizirkus nicht missen: „Die Intensität in einem Leistungszentrum ist natürlich eine ganz andere als in einem Dorfverein wie meinem“, sagte er vor wenigen Tagen dem „Kölner Stadtanzeiger“. „Ich habe als Teenager Fußball gespielt, weil es mir Spaß gemacht hat. Auch in der Freizeit, weil wir einfach nicht so oft Training hatten wie eine Jugendmannschaft, die Hochleistungssport betreibt. Mittlerweile merke ich keinen Unterschied mehr.“
    Spitzname Schlaubi"
    Mittlerweile keinen Unterschied mehr. Wieder so ein klassischer Understatement-Satz. Jonas Hector ist in der Nach-WM-Ära der Fixstern in der Mannschaft von Joachim Löw. Als einziger Profi stand der Linksverteidiger seit dem 25. März 2015 in sämtlichen 18 Spielen in der Anfangsformation.
    Im Elfermeterschießen war „Schlaubi“, wie er wegen seiner Brille in Anlehnung an einen der Schlümpfe genannt wird, gar nicht vorgesehen. Doch Schuss um Schuss ging ins Land, ohne dass eine Entscheidung gefallen wäre. Dann das neunte Duell. Manuel Neuer hielt den von Matteo Darmian getretenen Ball, und plötzlich war Jonas Hector an der Reihe: „Ich hatte nicht unbedingt damit gerechnet, noch dranzukommen“, sagte er. „Aber man kann sich das nicht immer aussuchen. Und wenn es so kommt, muss man das Herz in die Hand nehmen und antreten.“
    Also nahm Jonas Hector, der in den 90 Minuten schon das 1:0 durch Özil schön vorbereitet hatte, sein Herz in beide Hände und schoss den Ball unter dem Welttorhüter Buffon hindurch ins Netz.
    Außer in der Jugend beim SV Auersmacher hatte Hector noch nie einen Elfmeter geschossen. Nun schrieb er mit seinem ersten gleich ein kleines Kapitel deutscher Fußballgeschichte. „Es fühlt sich gut an“, sagte der Held wider Willen. „Der Weg zum Elfmeterpunkt war ja nicht gerade kurz. Man macht sich so seine Gedanken und nimmt um einen herum nicht viel wahr. Im ersten Moment dachte ich, er hat ihn, dann war er doch drin – und dann ist einfach nur Freude.“
    Bislang konnte Jonas Hector sein Leben als Fußballprofi im Stillen führen und sogar nebenbei BWL studieren. Diese Nacht von Bordeaux könnte zu einem Wendepunkt werden in der Karriere des Abwehrspielers. Zu wünschen ist es ihm nicht. „Ich bin“, sagt Hector, „mit meinem Leben bislang wirklich sehr zufrieden“.
  • Warum Schweinsteiger die italienische Fan-Kurve wählte

    Der Kapitän über das Elfmeter-Drama gegen die Squadra Azzurra

    Was für ein Drama. Nach dem WM-Finale von Rio war nun auch bei der Europameisterschaft die große Bühne bereitet für Bastian Schweinsteiger. Manuel Neuer hatte im Elfmeterschießen den Ball von Leonardo Bonucci gehalten. Wenn der Kapitän als fünfter Schütze trifft, ist Deutschland im Halbfinale und hat erstmals bei einem Turnier die italienische Elf bezwungen. Doch Bastian Schweinsteiger, den die Verletzung von Sami Khedira früh in die Mannschaft gespült hatte und der sich 104 Minuten eher gemüht hat, schießt den Ball nicht ins Tor, sondern drüber. Sollte er in seinem 119. Länderspiel, in seinem wahrscheinlich letzten Turnier zur tragischen Figur werden? Wiederholt sich also Geschichte? Im Champions-League-Finale in München 2012 gegen den FC Chelsea, war es ausgerechnet Bastian Schweinsteiger, der aus elf Metern nicht getroffen hatte. Das „Finale dahoam“ ging verloren. Nun ging auch in diesem schmucken Kasten von Bordeaux das Zittern weiter. Noch vier weitere Duelle benötigte diese dramatische Begegnung, ehe die deutsche Nationalmannschaft wenige Minuten vor Mitternacht die Lotterie mit 6:5 im Elfmeterschießen gewonnen hat. „Es ist aber irgendwie schade, dass so ein Spiel dann so entschieden wird“, sagte Schweinsteiger hinterher in den Katakomben. „Wobei wir natürlich den Vorteil haben, dass wir den besten Torwart der Welt haben. Trotzdem hoffe ich, dass wir das nächste Spiel ein wenig früher entscheiden.“ Das nächste Spiel ist das Halbfinale am Donnerstag in Marseille gegen Frankreich oder Island. Ob Schweinsteiger in der Anfangself stehen wird, hängt auch davon ab, wie schwer sich Khedira verletzt hat. „Für mich war es nicht so einfach, direkt reinzukommen. Vorher habe ich ja nicht so viel gespielt.“ Dass er sich als Kapitän bei der Wahl beim Elfmeterschießen für das Tor vor der italienischen Fankurve entschied, verwunderte. Aber Bastian Schweinsteiger hat eine Erklärung dafür gefunden: „Ich habe mal kurz nachgedacht, wie es eigentlich in der Vergangenheit war. Ich kann mich an München erinnern, da haben wir auf die Südkurve geschossen und verloren. Ich kann mich an Madrid erinnern, da haben wir auf Madrids Kurve geschossen und gewonnen. Und auch das erste Elfmeterschießen hier in Frankreich: Schweiz gegen Polen. Da ging es auf die Schweizer Kurve, und die Polen haben gewonnen. Also dachte ich mir: ‚Dann lass uns mal lieber auf die italienische Kurve schießen.‘ Und die italienischen Fans haben sich dann auch gefreut.“ Gejubelt am Ende aber haben die deutschen Anhänger.
  • Er war der gefragteste Mann der Nacht: Jonas Hector verwandelte den entscheidenden Elfmeter und stellte sich in den Katakomben den Fragen der Journalisten.

    von Achim Muth / MAIN-POST via Mediengruppe Main-Post GmbH & Co KG 7/3/2016 5:08:58 AM
  • Es geht zurück nach Lyon und dann nach Evian nach dieser aufregenden Nacht von Bordeaux. Alles rund um das Spiel findet ihr im Laufe des Tages nach und nach hier...

    von Achim Muth / MAIN-POST via Mediengruppe Main-Post GmbH & Co KG 7/3/2016 5:05:43 AM
  • Was für ein Drama! Erst nach neun Schützen stand das Ergebnis fest. Deutschland besiegt zum ersten Mal in einem Turnier Italien und steht nach dem 5:6 im Elfmeterschießen im EM-Halbfinale am nächsten Donnerstag in Marseille. Gegner wird Frankreich oder Island sein. Hier schon mal eine Einzelkritik der deutschen Spieler:

    Einzelkritik:

    Manuel Neuer: Der Viertelstundenkapitän war in seinem 70. Länderspiel meist als Anspielstation gefragt. Wurde zwar nach 528 Minuten erstmals wieder bezwungen. Entschied aber im Elfmeterschießen das Fernduell mit Gigi Buffon durch zwei gehaltene Schüsse. Die Angst des Torwarts vorm Elfmeter? Iwo. Note: 1,5

    Jonas Hector: Löws Dauerbrenner. Bereitete das Führungstor durch Özil mit einem klugen Laufweg vor. Behielt kurz vor Mitternacht die Nerven und verwandelte als neunter Schütze den entscheidenden Elfmeter. Ein junger Kölner besiegt den Italien-Fluch. Note: 2,5

    Benedikt Höwedes: Löws Taktikänderung spülte den Schalker als rechtes Glied der Dreierkette wieder ins Team. Solide Schichtarbeit des Ruhrpott-Kickers, der als einziger Feldspieler um das Elfmeterschießen herumkam. Note: 3

    Mats Hummels: Feierte sein 50. Länderspiel mit einer guten Leistung: Auffällig vor allem das erstklassige Stellungsspiel des Verteidigers, stand immer am rechten Fleck. Gesperrt im Halbfinale, erhielt Gelb. Traf im Elfmeterschießen sicher. Note: 2

    Sami Khedira: Der Antriebsmotor des deutschen Spiels musste schon nach 15 Minuten zur Reparatur: Adduktorenprobleme. Ob er im Halbfinale wieder anspringt? Note: -

    Mesut Özil: Berg- und Talfahrt des Hochbegabten: Brachte mit seinem Tor in der 65. Minute die deutsche Elf in Führung. Spielte gut und schlug ein, zwei seiner Zauberpässe. Verlud auch Buffon im Elfmeterschießen, allerdings klatschte der Ball an den Pfosten. Note: 2,5

    Thomas Müller: Mögen hätt‘ er schon wollen, aber dürfen hat er sich nicht getraut. Der Fußball-Valentin ist weiter vom Glück verlassen. Irgendwie ein Schatten seiner Selbst, und als er nach einem Billardangriff plötzlich aussichtsreich den Ball auf dem Fuß hatte, da freute sich Buffon über die Rückgabe. Ähnliches gilt fürs Elfmeterschießen. Schwamm drüber. Note: 4,5

    Jérôme Boateng: Das Bollwerk hielt auch gegen die Italiener lange Zeit den Laden dicht. Machte in der 78. Minute jedoch im Zweikampf die Armbewegung eines Hampelmannes. Als hätte jemand am Faden gezogen. Handspiel. Elfmeter. Machte den Fehler durch sicheren Elfmeter im Shootout fast wieder wett. Note: 3

    Toni Kroos: Der Stratege hatte in seinem 70. Länderspiel wieder wahnsinnig viele Ballkontakte. An diesem Abend allerdings ein Mann der kurzen Pässe in der Defensive. Kaum zündende Akzente nach vorne. Verwandelte seinen Elfmeter sicher. Note: 3

    Joshua Kimmich: Schien mit Pattex festgeklebt an der rechten Außenlinie. Hatte seine Schwierigkeiten, den offensiven Zuschnitt seiner Rolle auszufüllen. Teilweise etwas fahrig, als ihm die Bälle ins Aus tröpfelten. Fand mit zunehmender Dauer besser ins Spiel. Entdeckte die Eckfahne für einen Doppelpass und bewies im Elfmeterschießen große Nervenstärke. Note: 3

    Mario Gomez: Fremdelte zunächst mit diesem Viertelfinale. Kämpfte sich aber rein in die Partie und gilt mit einem genialen Zuspiel auf Hector als Initiator des Führungstreffers durch Özil. Hätte kurz darauf das 2:0 machen können. Statt Tor hieß es Kabine: Raus mit Oberschenkelproblemen in der 72. Minute. Note: 2,5

    Bastian Schweinsteiger: Früher als erwartet kam der Kapitän aufs Feld. 119. Länderspiel. Fügte sich auch gleich wieder mit einem Tor ein. Zählte nur nicht: Der Mittelfeldspieler hatte sich in Bud-Spencer-Manier Zugang zum Ball verschafft. Mühte sich durch das Spiel, und hatte im Elfmeterschießen ein Déjà-vu ans „Finale dahoam“. Drüber – wie Uli Hoeneß anno 1976. Note: 3,5

    Julian Draxler: Der Held des Achtelfinales musste zunächst zurück auf die Bank. Kam kurz vor Ende der regulären Partie. Hatte vor allem in der zweiten Hälfte der Verlängerung einige starke Offensivaktionen. Mit Schmackes im Elfmeterschießen. Note: 2,5
  • Gleich kommt es zum Elfmeterschießen: Die Statistik spricht für Deutschland. Seit 40 Jahren hat die Nationalmannschaft bei EM oder WM kein Elfmeterschießen mehr verloren. 1976 unterlag die DFB-Elf im Finale gegen Jugoslawien. Danach setzte sie sich fünmal durch (gegen Frankreich, Mexiko, zweimal England und Argentinien).

  • Es wird spät in Bordeaux: Viertelfinale Detschland - Italien, 1:1 nach 90 Minuten. gerade wurde die Verlängerung angepfiffen. Wird der Italienfluch beendet?

  • Es ist angerichet. Los geht's.

  • Schöne Überraschung: habe im Stadion Bordeaux wieder Fans aus Unterfranken getroffen. Steffen, Markus und Hilmar aus Lohr-Wombach. Sie waren schon 2012 bei der EM in Polen und sind mir zufällig in Sopot über den Weg gelaufen. Grüße nach Daheim.

  • Er hat's getan: Bundestrainer Joachim Löw ändert seine Formation, nimmt Julian Draxler heraus und bringt Benedikt Höwedes. Das heißt: Dreier- statt Viererkette! Mit dieser Taktik hat er im Frühjahr 4:1 gegen Italien gewonnen. Er richtet sich also wieder nach dem Gegner. Jetzt muss es gut gehen, sonst . . .

  • Die Mannschaft ist auf dem Platz.

  • Noach eineinhalb Stunden: wer sich noch etwas ablenken möchte. Hier ein kleiner Videotrailer über die vergangene Woche mit der Nationalmannschaft in Évian-les-Bains.

  • Bundestrainer Joachim Löw: Hier meine Geschichte über den Bundestrainer vor dem wichtigen Spiel gegen Italien im Viertelfinale der Europameisterschaft:

    www.mainpost.de

  • Riesiger Medienandrang im Pressezentrum des Stadions in Lyon. Man merkt: Viertelfinale!

  • Noch eindreiviertel Stunden bis zum Klassiker Deutschland gegen Italien in Bordeaux! Während einige Kollegen darüber spekulieren, ob Joachim Löw die Mannschaft umstellt und mit Dreierkette spielen lässt (Höwedes rein, Draxler raus), glaube ich eher nicht daran. Aber der Bundestrainer ist immer für eine Überraschung gut. Sobald die Aufstellung bekannt wird, werde ich darüber informieren. Stay tuned!

  • Das neue Stadion, extra für die Europameisterschaft gebaut, hebt sich deutlich ab von der Einheits-Architektur. Könnte auch ein Museum in Bilbao sein.

  • Bordeaux: Die Stadt hat was!

  • Tor de France

    Sammer im Seedorf:
    Ein Tag mit Jogi & Olli


    Von Achim Muth

    Zwei Jahre sind ins Land gezogen, seit Deutschland Weltmeister geworden ist. Santo André ist Vergangenheit. Évian-les-Bains ist Gegenwart. Wie damals horchen wir heute wieder hinein ins Herz des deutschen Fußballs:

    Schön liegt Évian da, ein stilles Seedorf. Fast so schön wie Florenzi. Auf der Wiese stehen de Rossi, und hinten am Forsberg leuchtet grün der Buchwald. Aber es gibt dort auch Fichtel. Auf der Almer schießt der Förster einen Fuchs. Ruhig fließt der Hollerbach dahin. Nach dem Rehhagel ist endlich der Sammer eingekehrt. Eine flirrende Hitz liegt über dem See. Fischer angeln auf Butt. Sogar Del’Haye und auch ein Derwall wurden hier schon mal gefangen. Aber das war 1984.
    Die Einfahrt zur Herberger des DFB liegt zwischen Sträuchern, es ist ein Hector. Der Jogi sitzt in einer Eckel, nippt an seinem Shaqiri und schaut einen Heimatfilm: „Ich denke oft an Bierofka.“ Da kommt der Olli über den ter Stegen.
    Jogi: „Olli, magschd Du einen Gignac? Der läuft wie Özil durch die Kehl! Astori Spumante habe ich auch da.“
    Olli: „Nein, ich hatte eben erst einen Cacau.“
    Jogi: „Okay, dann Drinkwater. Was gibt’s?“
    Der Olli berichtet von einem Zoff im deutschen Lagerbäck. Im Zimmer vom Basti ist der Gullit nicht dicht. Es riecht Modric aus dem Wetklo, da hilft nicht mal eine Prise Fabregas. Echt Hart.
    Olli: „Jogi, der Basti will Rashford, ihm Eilts. Er rückt mir auf die Pelle.“
    Jogi: „Babbel ned. Hol‘ McClean, der macht alles wieder Altintop!“
    Doll, wie der Jogi das wieder gelöst hat. Aber der Olli hat noch andere Sorg: Am Tisch vom Poldi ist ein Hölzenbein abgebrochen, der Rauball ist Blatter und der Hunt vom Nachbarn tut dauernd Kleff.
    Olli: „Und außerdem lacht keiner über meine Witsel.“
    Dem Jogi reicht’s jetzt: „Aumann, Olli. Ich bin doch nicht Hinz und Kuntz. Du gehst mir auf die Nüssing. Ich habe Hunger. Geh‘ zum Kamps und hol ein Brot aus Vollborn. Der Koch soll uns dazu einen schönen Salata mit etwas Sané machen.“
    Das Essen schmeckte Altobelli. Jogi und Olli wischen sich ihren Calmund ab. Den Espresso von Jakobs nehmen sie auf dem Balkon ein. Jogi hat eine Platini von Conte aufgelegt. Die Son versinkt. Langsam wird es Nachtweih. Olli träumt von seinem Sigthorsson 1996 in Wembley. Jogi träumt vom EM-Titel in Paris: „Olli, dann geh’n wir ins Maxim.“
    von Achim Muth / MAIN-POST via Mediengruppe Main-Post GmbH & Co KG 7/2/2016 5:12:41 PM
  • Das kann dauern: Megaschlange am Medieneingang am Stadion in Bordeaux...

    von Achim Muth / MAIN-POST via Mediengruppe Main-Post GmbH & Co KG 7/2/2016 4:06:27 PM
  • Super Stimmung in der Stadt: Fratelli d'Italia...

    von Achim Muth / MAIN-POST via Mediengruppe Main-Post GmbH & Co KG 7/2/2016 1:48:07 PM
  • Und die Italiener sitzen jetzt schon bei der Mama...

    von Achim Muth / MAIN-POST via Mediengruppe Main-Post GmbH & Co KG 7/2/2016 12:39:45 PM
  • von Achim Muth / MAIN-POST via Mediengruppe Main-Post GmbH & Co KG 7/2/2016 12:39:08 PM
  • von Achim Muth / MAIN-POST via Mediengruppe Main-Post GmbH & Co KG 7/2/2016 12:38:46 PM
  • Tolle erste Eindrücke aus Bordeaux! Wunderbare Stadt mit Flair...

    von Achim Muth / MAIN-POST via Mediengruppe Main-Post GmbH & Co KG 7/2/2016 12:38:26 PM
  • Matchday! Auf dem Weg über Lyon nach Bordeaux.

    von Achim Muth / MAIN-POST via Mediengruppe Main-Post GmbH & Co KG 7/2/2016 8:50:14 AM
  • Samstag wird eine harte Nuss gegen Italien - aber wenn wir uns in Sachen Siegeswillen die grandiosen Isländer zum Vorbild nehmen, kann ja nichts schiefgehen, oder? ;-) #läuftbeiunsson #mainpostsonAlle Spiele live und in Farbe: mainpost.de/em

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  • Warum wird am Samstag Italien gewinnen? Unser Chef-Reporter Achim Muth im Interview mit dem italienischen Sportjournalisten Francesco Archetti. Wir halten Euch im Live-Blog auf dem Laufenden: http://bit.ly/29hHtLd

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