Missbrauchsskandal - der Prozess in Bamberg

Missbrauchsskandal - der Prozess in Bamberg

Hat er unter dem Vorwand einer medizinischen Studie Frauen ruhiggestellt und sich an ihnen vergangen? In Bamberg läuft der Prozess gegen einen ehemals angesehenen Mediziner. inFranken.de ist vor Ort und berichtet aktuell!

    • Die Staatsanwaltschaft wirft dem ehemaligen Chefarzt vor, sich unter dem Vorwand einer medizinischen Studie an jungen Frauen vergangen zu haben.
    • Der Angeklagte äußerte sich bereits ausführlich: Er habe stets unter medizinischen Gesichtspunkten gehandelt und leugnet jeden sexuellen Hintergrund.
    • Das Gericht hat 25 weitere Prozesstage festgesetzt. Mit dem Ende der Hauptverhandlung wird nicht vor Ende September gerechnet.
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  • Großes Medieninteresse im Vorfeld des Prozessbeginns in Bamberg

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  • Der Angeklagte Heinz W. (Mitte) auf dem Weg zum Gerichtssaal

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  • Prozess gegen Ex-Chefarzt beginnt

    Vor dem Aufzug, der den Angeklagten aus dem Untergeschoss in das Erdgeschoss des Justizgebäudes am Wilhelmsplatz bringen sollte, standen die Journalisten eine gute Stunde lang dicht gedrängt mit gezückten Foto- und Filmkameras. Während im Sitzungssaal alle Presseplätze besetzt waren, entsprach der Andrang der Besucher nicht den hoch gesteckten Erwartungen: Von den 53 zur Verfügung stehenden Platzkarten waren bis zum Beginn der Hauptverhandlung nur 25 vergeben worden. Zehn Polizeibeamte und neun Wachtmeister waren im Einsatz.

    Dem ehemaligen Chefarzt der Gefäßchirurgie am Klinikum Bamberg wird Vergewaltigung und sexuelle Nötigung, gefährliche Körperverletzung sowie Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs seiner jungen, weiblichen Opfer vorgeworfen.

    Es ist ein blasser Angeklagter, der nach acht Monaten Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Bamberg vor der Großen Strafkammer sitzt. Die ersten Ausführungen des Staatsanwalts bei Verlesung der Anklageschrift quittierte er mit Kopfschütteln.

    Viele Opfer waren Patientinnen

    Tatopfer waren nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft 13 Frauen, die meisten von ihnen Patientinnen des Arztes. Er soll in den Jahren 2008 bis 2014 seine Position als damaliger Chef der Gefäßchirurgie am Klinikum Bamberg ausgenützt haben, um seine sexuellen Wünsche und Fantasien an wehrlosen und ahnungslosen Frauen auszuleben. Den Ermittlungen zufolge hatte er allen Opfern vor angeblichen Untersuchungen ein Mittel verabreicht, das die Frauen willenlos und handlungsunfähig gemacht hat.

    Polizei ermittelt seit Sommer

    Der Skandal wurde im Sommer 2014 bekannt und machte Schlagzeilen weit über das Einzugsbebiet des Klinikums hinaus. Entsprechend groß ist das Medieninteresse an der öffentlichen Hauptverhandlung. Vertreter von nicht weniger als 24 Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk- und Fernsehsendern aus dem ganzen Bundesgebiet und Frankreich haben sich laut Leander Brößler, Pressesprecher am Oberlandesgericht (OLG) Bamberg, für den Prozess angemeldet. gg
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  • Der Prozess hat begonnen - mit fast einer Stunde Verspätung, weil einer der Anwälte im Stau stand.
    von AnnaLienhardt bearbeitet von inFranken 4/7/2015 9:12:31 AM
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  • Hintergründe zu diesem Fall und die bisherige Entwiclung können Sie übrigens auch in unserem Dossier nachlesen.
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  • Nach der Verlesung der 17-seitigen Anklageschrift hat sich der ehemalige Chefarzt der Gefäßchirurgie gerade zu seinem Lebenslauf geäußert. Der Gefäßspezialist hat seine Doktorarbeit zu künstlichen Hüften geschrieben. Er beschäftigt sich laut eigener Aussage gerne mit komplexen Krankheitsbildern. Herr W. ist Mitglied in europäischen Fachverbänden, seine Hobbies sind Musik und Sport.
    Generell gab er vor Gericht einen Überblick über seine berufliche Biographie, von der Schulbildung bis zum Chefarzt-Posten.
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  • Überraschung: Der Prozess wurde schon unterbrochen. Es geht erst nächste Woche weiter. Grund: der Angeklagte möchte sich ausführlich zu den Vorwürfen äußern. Er habe sich unter anderem wegen technischen Problemen nicht so ausführlich vorbereiten können wie er erhofft hatte.
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  • Ansturm auf einen der drei Verteidiger von Herrn W. nach der plötzlichen Unterbrechung des Prozesses.

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  • Wer morgen beim zweiten Verhandlungstag dabei sein möchte, sollte wieder daran denken: Der Platz im Zuschauerraum ist begrenzt. Eintritt ist nur mit Platzkarte erlaubt, die vorher am Landgericht abgeholt werden muss.
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  • Am heutigen Dienstag darf man gespannt sein - wie wird sich der angeklagte ehemalige Chefarzt zu den Tatvorwürfen äußern? Beginn der Verhandlung ist wieder um neun Uhr.
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  • Warten auf den Angeklagten im Bamberger Landgericht. Was wird Heinz W. heute zu seiner Verteidigung sagen?

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  • Heute wird die Sitzung bereits um zwölf Uhr beendet, gibt der Vorsitzende Richter gleich zu Beginn bekannt - wegen eines Todesfalls in seiner Verwandtschaft.

    Dann geht es um die Frage, ob der Angeklagte eine PowerPoint-Präsentation halten darf. Ein Opfer-Anwalt fordert: So eine Präsentation darf nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Der Verteidiger des Angeklagten weist darauf hin, dass sein Mandant zügig an seiner Einlassung arbeite. Man könne aber kein exaktes Datum nennen, wann er fertig sei. Der Richter will wissen: Wie weit ist man denn? Herr W. antwortet direkt selbst: Ihm fehle noch eine Festplatte zu Gesprächsprotokollen. Es dauere, bis alles zu ihm durchgrstellt werde. Der erste Teil der Erklärung umfasse 48 Seiten.

    Nun stellt der Verteidiger einen Antrag. Der Vorsitzende Richter habe den Angeklagten sinngemäß dazu aufgefordert, sich kurz zu fassen. Das Gericht solle das Vorgehen der Verteidigung akzeptieren. Die Dauer spiele für den Prozess der Wahrheitsfindung keine Rolle. Der Richter erwähnt, seine Äußerung sei fürsorglich gemeint gewesen. Der Antrag wird zunächst vertagt.
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  • Eindrücke vom zweiten Prozesstag am Landgericht. Fotos: Mattias Hoch 
     
     

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  • Doktor W. äußert sich: er habe stets unter medizinischen Gesichtspunkten gehandelt. Dass die Frauen später mit den Bildern konfrontiert worden seien, tue ihm leid. Er hätte sie wohl mehr über seine Untersuchungen aufklären müssen.

    Dann spricht der Angeklagte über die Gefäßchirurgie am Klinikum. Es geht um Behandlungsformen, die Ausstattung des Krankenhauses sowie Verfahren. Das Klinikum bekam als erstes Klinikum in Nordbayern eine Zertifizierung für Gefäßmedizin.

    Es wird medizinisch: W. spricht von verschiedenen Verfahren, denen immer eine Untersuchung vorausgehe.
    von AnnaLienhardt bearbeitet von inFranken 4/14/2015 7:47:40 AM
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  • Doktor W. weiter: Die Venenheilkunde umfasst ein breites Spektrum der Diagnostik und verschiedene Therapien. Der Arzt zählt namentlich diverse Krankheiten der Gefäße auf. Nun geht es um Bettenzahlen und Stationen im Klinikum sowie Abläufe, etwa Operationszeiten, oder darum,  wie viele Ärzte an Operationen jeweils beteiligt sind. W. "Zu meinen Aufgaben gehört auch die Betreuung von Studenten." Es sei ihm zudem ein großes Anliegen,  dass er Patienten zu Gesicht bekomme, die gegenüber der Pflegekraft Beschwerden äußerten. Besonderen Wert habe er auf den Mitarbeiterkontakte gelegt, zu Fragen der Wehwehchen und Karriereplanung. Viel Zeit sei für die tägliche Kommunikation mit den Krankenkassen in Anspruch genommen worden. 

    Nach seinen Ausführungen zu verschiedenen Erkrankungen betont W., dass gerade Beckenvenenthrombosen sehr sehr selten sei. Ein Viertel der Patienten leide später oft unter offenen Beinen. Der Körper selbst könne sich schlecht dagegen schützen. Bei der Frau gebe es bei Verschluss der daumendicken Becken-Vene eine Art Umleitungsvene im Bereich der Schamlippen. Möglich sei auch die Umleitung zum Schließmuskel, was sich durch Hämorrhoiden im Analbereich äußern könnte. Die Diagnostik sollte möglichst durch schonende Verfahren wie Ultraschall durchgeführt werden.

    Nun geht es um medizinische Details. Der Angeklagte redet von Untersuchungsmitteln, deren Größe, ihrem Material und wofür sie eingesetzt werden. 
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  • Nach eineinhalb Stunden hat Doktor W. die Hälfte seiner Ausführungen kundgetan. Nun wird zehn Minuten pausiert.
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  • Es geht weiter - Seite 28. Nun berichtet W. über Verhandlungen mit den Krankenkassen zu Prothesen,  die man zur Öffnung von Beckenvenen einsetzt. Er nennt stets die genaue Bezeichnung der Geräte sowie ihren Typ.

    Eine vaginale Untersuchung sei möglicherweise eine geeignete Option, um von innen zu untersuchen und den Venenfluss besser betrachten zu können. Eine Krampfader im Bereich der Schamlippen könne mit einer Fotodokumentation manchmal nicht so deutlich dargestellt werden. W. betont: Ein Foto von OP-Narben im Bikinbereich diene weder seiner Belustigung noch seiner sexuellen Befriedigung.

    Auf seinem Rechner gespeicherte Bilder seien Basis-Vortragsversionen, bei denen der Bikinibereich teilweise noch nicht geschwärzt gewesen sei. Gesichter und Intimbereich würden immer erst kurz vor den Vorträgen unkenntlich gemacht. Das habe technische Gründe, etwa die unterschiedlichen Darstellungsformen und Formate von Beamern auf Kongressen.  W. betont: Auf den Kongressen sei immer alles anonymisiert gewesen. Wir sind auf Seite 34 angekommen: Er spricht darüber,  die Strahlenbelastung durch Röntgen bei seinen Patientinnen über den Keimdrüsen zu vermeiden zu wollen. Zudem sei eine Erforschung der äußerst seltenen Beckenvenenthrombose eines seiner Ziele gewesen. 
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  • Videos und Fotos habe er stets aus Gründen der medizinischen Dokumentation gemacht. Es habe zudem die Frage im Raum gestanden,  ob bei Patienten mit einem niedrigen Body Mass Index ein erhöhtes Thromboserisiko bestehe.

    W.: "Ich hoffe, deutlich gemacht zu haben, dass ich weder ein Vergewaltiger noch Sexualstraftäter bin."

    Dann endet der Vortrag.

    Richter Schmidt: Die beiden nächsten Verhandlungstage am Mittwoch und Donnerstag werden abgesetzt. Man will noch auf die schriftlichen Unterlagen des Doktor W. warten, die als Ergänzung zu seinem kommenden Vortrag für das Verständnis sehr hilfreich seien. Es geht weiter am 28. April um neun Uhr. 
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  • Viele Fragen an einen der drei Verteidiger von Doktor W. nach dem Ende des Verhandlungstages.

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  • Dran denken: Morgen, am 28. April, wird die Verhandlung fortgesetzt. Wer Heinz W. bei seinen Ausführungen zuhören möchte, sollte sich rechtzeitig um eine Platzkarte kümmern. Sie ist ab 7.45 Uhr am Bamberger Landgericht erhältlich.
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  • In einer halben Stunde geht's los. Man darf gespannt sein, wie detailliert sich Heinz W. äußern wird. Erfahren die Zuhörer wieder die genaue Bezeichnung und den Herstellernahmen jedes medizinischen Gerätes?
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  • Es staut sich vor dem Gerichtssaal. Noch dürfen weder Zuhörer noch Medien in den Sitzungssaal. Der ist normalerweise um kurz vor neun bereits offen.

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  • Immernoch warten... Es gibt Spekulationen über technische Probleme im Gerichtssaal.

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  • Die Verteidigerin von Heinz W. gibt gleich zu Beginn eine Erklärung ab: In dem Verfahren wird bemängelt, wie bei der polizeilichen Erstvernehmung der Opferzeuginnen vorgegangen worden sei. Die Zeuginnen seien traumatisiert und victimisiert worden.

    Keine der Zeuginnen sei von einer BeamTIN vernommen worden. Keine der Zeuginnen sei belehrt worden, dass sie ein Recht auf eine Vernehmung durch eine psychologisch geschulte Frau hätten. In der Vernehmung wurden den Zeuginnen Bilder gezeigt, die die Scham der Frauen verletzt hätten. Die Vernehmungen seien nicht professionell durchgeführt worden. Die Bilder hätten bei den Zeuginnen heftige emotionale Erschütterungen hervorgerufen.

    Immer sei es um die Vorlage von Bildern gegangen. Die starke emotionale Erschütterung der Zeuginnen könne nur auf der Art der Vernehmungen beruhen und nicht allein darauf, dass ihnen Bilder gezeigt worden seien.

    Dann liest die Verteidigerin, Rechtsanwältin Katharina Rausch, aus den Vernehmungsprotokollen vor. In diesen ist der Verlauf der Vernehmungen dargestellt, in denen die Opferzeuginnen damit konfrontiert werden, dass der Gefäßchirurg Fotos ihres Intimbereichs gemacht haben soll.

    Eine der Zeuginnen hatte beispielsweise bei der Vernehmung angegeben, sie könne es gar nicht so richtig glauben, dass sie betroffen sein soll. Sie hätte von Aufnahmen ihres Intimbereichs nichts gewusst und diesen auch nie zugestimmt. Eine andere Zeugin beschrieb Doktor W. als „Idioten“.

    Aus einem Protokoll: Ein Beamter habe angedeutet, dass es Lichtbilder gebe und ob die Frau diese ansehen wolle. Nach deren Bejahung habe er sie ihr gezeigt und sie sei beim Betrachten in Tränen ausgebrochen und habe sich geschockt gezeigt. Die Zeugin habe mit der Beauftragen für Frauen und Kinder bei der Polizei Kontakt aufgenommen.

    Eine andere junge Frau habe die Bilder gar nicht ansehen wollen, die Eltern seien bei der Vernehmung dabei gewesen. Eine weitere Zeugin wollte die Fotos ebenfalls nicht betrachten, weil sie nicht wolle, dass sich die Bilder in ihrem Kopf festsetzen.

    Die Verteidigerin nennt eine Vernehmung durch einen anderen Polizeibeamten, die besser gelaufen sei. Mit offeneren, nicht so direkten Fragen. Am Ende aller Vernehmungen hätten die Zeugin Merkbletter mit Informationen erhalten.

    Die Ermittlungsbehörden erst hätten für eine Traumatisierung der Frauen gesorgt.
    Beim Umgang mit möglichen Opfern sexueller Übergriffe sei psychologisch geschultes Personal unabdingbar. Eine Vernehmung, die auf die Emotionalisierung der Zeuginnen abziele, sei in der Hauptverhandlung nicht verwertbar. Eine geschulte weibliche Vernehmungsbeamtin hätte laut der Verteidigerin anders handeln können.

    Es sei eine Verletzung des Schamgefühls, dass nur ein männlicher Beamter anwesend gewesen sei, dem die Bilder bereits vorher bekannt gewesen seien.

    Die Verteidigerin zählt eine ganze Reihe von Vorschriften aus der Strafprozessordnung auf.
    Die Vernehmung der Zeuginnen sei durch nicht ausreichend psychologisch geschultes männliches Personal vorgenommen worden. Zwei BeamTINNEN seien besser in der Lage gewesen, die Zeuginnen mit weniger emotionalen Erschütterungen zu vernehmen.

    Die Verteidigung beantragt, einen ausgewiesenen Aussage-Psychologen hinzuzuziehen.

    Es folgt ein weiterer Antrag der Verteidigung, Dieter Widmann: Beantragt wird eine Stellungnahme der Staatanwaltschaft, inwieweit Dritten Akteneinsicht in die Lichtbilder gegeben wurde. Dritte können etwa Gerichtsmediziner sein oder andere Nebenkläger. Manche Nebenklägerin würde darunter leiden, dass Fotos ihres Intimbereichs einer Vielzahl von anderen Verfahrensbeteiligten gezeigt worden seien. Der Angeklagte lässt klarstellen, dass er für die Verbreitung der Fotos nicht verantwortlich ist.

    Zudem soll Oberstaatsanwalt Bardo Backert als Zeuge geladen werden. Er habe zu schnell kundgetan, dass die Staatsanwaltschaft von einem sexuellen Interesse von Doktor W. ausgehe. Ein medizinisches Interesse an den Fotos sei zu schnell ausgeschlossen worden.

    Vorsitzender Richter Schmidt spricht nun den weiteren Verfahrensverlauf an: Es soll eine Power-Point-Präsentation geben. Es steht der Ausschluss der Öffentlichkeit im Raum, da eine ganze Reihe von Bildern nackte Frauen zeigen. Der Schambereich sei unkenntlich gemacht. Trotzdem möchte das Gericht die Öffentlichkeit ausschließen.

    Die Idee des Gerichtes: Die Bilder nicht über einen Beamer an die Wand werfen, sondern die Beteiligten sollen die Bilder auf dem Laptop ansehen. Dr. W. selbst schlägt vor, die Fotos erst ganz am Ende in einem Block zu zeigen. Dann könne man die Öffentlichkeit ausschließen.
    von AnnaLienhardt bearbeitet von inFranken 4/28/2015 8:35:27 AM
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  • Richter Schmidt: Die Öffentlichkeit wird ausgeschlossen, sobald der Angeklagte Bilder von Frauen in teilweise oder völlig unbekleidetem Zustand zeigt. Dem Angeklagten soll Gelegenheit gegeben werden, zu den Tatvorwürfen Stellung zu nehmen und seine medizinischen Intentionen abzugeben. Der Vorsitzende Richter übergibt Heinz W. das Wort.

    Der Gefäßchirurg startet mit seiner Präsentation:

    Heinz W. beginnt mit einem allgemeinen Vortrag. Einen, den er auch vor Studenten gehalten hat, um sie über den Beruf aufzuklären. Der ehemalige Chefarzt zeigt die Nahaufnahme einer Vene und erklärt, wie sich diese mit Hilfe eines Ballons aufdehnen lässt.

    Dann kommt er auf ein Drahtgeflecht zu sprechen, ein sogenannter Stent, mit dem in der Venenheilkunde ebenfalls gearbeitet werde. Wie an den vergangenen Verhandlungstagen erklärt der Arzt detailliert das Vorgehen bei Operationen, erläutert alternative Operationstechniken. Es folgen Ausführungen über Narkoseverfahren.

    Eine Zuhörerin stöhnt leise: „Des intressiert doch kann.“ Ein anderer Zuhörer flüstert resigniert: „Das ist wie beim letzten Mal, ein medizinischer Vortrag.“ Mancher fragt sich: Was hat das mit einer Stellungnahme zu den Tatvorwürfen zu tun?

    Heinz W.: Nur im Ultraschallverfahren kann man den exakten Fluss des Blutes in der Vene nicht feststellen, nur den Durchmesser. Ein anderes Verfahren arbeitet mit Sichtbarmachen der Blutströme in Farben. Es folgen Beispiele über „Endoprothesen“, „Seit-Ast-Prothesen“ im Bereich der Beckenvenen, um ein Aneurysma zu „auszuschalten“, wie der angeklagte Gefäßspezialist erläutert.
    Der Zuhörer sieht auf einem Schaubild den Verlauf der äußeren und inneren Beckenvene. Eine Venendarstellung – „Phlebografie“ - sei eine sehr strahlenbelastende Untersuchung und werde im Bereich der Beckenvenen nur selten durchgeführt.

    Nun der nächste Vortrag: Es geht um die „Operative Therapie der Thrombose“. Es ist der Vortrag, in dem Heinz W. die Fotos der Patientinnen hinten angefügt hat. Der Angeklagte kommt zu den Therapieoptionen. Es fallen etliche Fachworte wie „AV-Fistel“ oder „Cross-Over-Bypass“.

    Die ersten Zuhörer verlassen die Verhandlung.

    Heinz W. kommt zur „Phlegmasie“, einer massiven schmerzhaften Schwellung des Beines. Man habe eine Computertomografie durchgeführt. In dieser habe man festgestellt, dass eine „knöcherne Ausziehung“ eines Wirbels der Wirbelsäule auf die Vene gedrückt habe. Ein Blutgerinnsel wurde entfernt und die Vene aufgedehnt.

    Heinz W. spricht seit mittlerweile zwei Stunden.

    Wieder verlässt eine Zuhörerin den Sitzungssaal.
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  • Mittlerweile ist der Gefäßspezialist in seinem Vortrag bei „Flottierenden Thrombuszapfen“ angelangt.

    Heinz W. endet: Geschlossen hat er den Vortrag damals schon mit einer Einladung nach Bamberg…

    Nun wird die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Die Verhandlung geht um 14 Uhr weiter.
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  • Die Verhandlung geht weiter.

    Richter Schmidt will wissen, was aus den Einzel-Erläuterungen wird. Sein Verteidiger Klaus Bernsmann sagt, dass die einzelnen Fälle zwar vorbereitet seien, aber „nochmals durchgesprochen werden“ müssten.

    Es gehe um eine präzise Darstellung, die die Zeuginnen schonen solle.

    Das bedeute konkret: Man könne morgen damit anfangen. Bernsmann meint: Morgen, übermorgen und Dienstag nächster Woche sollte man für Herrn W. einplanen.

    Die dienstliche Stellungnahme, die die Staatsanwaltschaft auf Wunsch der Verteidigung abgeben soll, ergebe sich komplett aus den Akten. Das sagt Oberstaatsanwalt Berhard Lieb. Es sei genau ersichtlich, wer welche Fotos erhalten hat und dass dies verschlüsselt geschehen sei.

    Für heute ist die Verhandlung beendet. Mittwochmorgen um neun Uhr geht es weiter.
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  • Alle sind gespannt: sagt Heinz W. heute endlich etwas Konkretes zu den Tatvorwürfen? Was ist zum Beispiel mit der angeblichen Betäubung seiner Patientinnen?
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  • Mit wenigen Minuten Verspätung beginnt der vierte Verhandlungstag. Für heute wird erwartet, dass Heinz W. zu den Fällen 5,6,9, und zehn Stellung nimmt. Er möchte laut eigener Aussage wieder mit einer allgemeinen Einführung beginnen.

    Heinz W. beginnt seinen Vortrag:

    „Ich möchte mich heute bei allen Betroffenen entschuldigen, wie sie in völlig falschem Zusammenhang mit den Bildern konfrontiert wurden. Es ging einzig und allein um das Thema Beckenvenenthrombose. Bei keinen der Frauen wollte ich bewirken, was ihnen an Leid zugefügt wurde.“

    Anmerkung der Redaktion: Der ehemalige Chefarzt der Gefäßchirurgie am Klinikum ist unter anderem angeklagt, von zehn Frauen ohne deren Einwilligung Fotos und Videoaufnahmen aus deren Intimbereich gemacht und sie dort berührt zu haben.

    Nach seinem kurzen einleitenden Satz kommt Heinz W. dann zunächst auf verschiedene Therapiemöglichkeiten bei einer Beckenvenenthrombose zu sprechen.

    Heinz W.: „Ich habe keiner Frau eine sexuelle Handlung, objektiv wie subjektiv, zugetan. Wenn nachträglich der Eindruck entstanden sein sollte, ich hätte ihnen sexuell nahe treten wollen, so ist das falsch. Wenn dieser Eindruck entstanden ist, tut mir das leid. An so etwas habe ich überhaupt nicht gedacht. Die Identität sämtlicher Patientinnen habe ich nicht preisgegeben. Ich habe auch keine Notwendigkeit gesehen, Bilder zu vernichten.“

    Begonnen wird mit Fall 5:

    „Die Patientin war wegen einer Thrombose mehrmals behandelt worden. Im Ultraschall wurde eine beidseitige Beckenvenenthrombose festgestellt. Im Rahmen der Computertomografie kam es zu einer allergischen Reaktion, die medikamentös behandelt wurde.“ Es folgen medizinische Fachbegriffe aus der Diagnose.

    Der Angeklagte weiter: „Zur Vorgeschichte der Patientin: Sie hatte sich bereits zehn Tage zuvor mit Leistenschmerzen in der Notaufnahme gemeldet, wo zunächst keiner an eine Thrombose gedacht hatte.“

    „Es wurde ein vaginaler Ultraschall mit Hilfe einer Arzthelferin durchgeführt, um die Flussrichtung des Blutes festzustellen. Die Markierung für die OP-Planung erfolgte mit Edding auf der Patientin, um die Verläufe auf der Patientin sichtbar zu machen.“

    Es sei auch um die Frage gegangen, wie eine Ballonblockade möglich sei. Ein Ballon in der Vene solle vermeiden, dass das gelöste Blutgerinnsel durch die Vene fortgespült wird und anderweitig für Probleme sorgt.

    Am 1. Oktober 2008 habe eine von zahlreichen Ultraschalluntersuchungen stattgefunden. Auf der Pflegestation habe das Pflegepersonal danach zwei Bilder von den Leistenwunden nach der OP angefertigt. Die Bilder seien zur Verlaufsdokumentation übermittelt und gespeichert worden.

    Eine Ballon-Aufdehnung durch die Haut sei geplant gewesen, weil sich eine Vene verengt hätte. Das Ganze habe unter stationären Bedingungen und mit wenig Kontrastmittel – wegen der Allergie – durchgeführt werden sollen.

    Im Bereich der Schamlippen hätte sich eine ausgeprägte Gefäßstauung gezeigt. Nach erfolgreicher Aufdehnung habe sich ein erfolgreicher Fluss in die richtige Richtung gezeigt.

    Nach W.s Ausführungen habe die Patientin auf der linken Seite allerdings auch später wieder Probleme gehabt. Es seien zwei Jahre später erneut Schmerzen in der linken Leiste aufgetreten.
    Im November 2011 sei eine ergänzend eine vaginale Sonografie durchgeführt worden, weil eine Ultraschalluntersuchung alleine nicht ausgereicht habe.

    Nach einer Computertomographie habe sich gezeigt, dass die linke Beckenvene verkümmert sei. Unter der Haut hätten sich körpereigene Umleitungen gebildet, etwa unter dem Bereich des Schamhügels.

    Die am 7.11.11 erfolgte Foto-Dokumentation habe der Verlaufs-Dokumentation und für Weiterbildungen gedient.

    Durch seine Vorgehensweise habe man die Patientin kontrastmittelschonend behandeln können. Am Vorabend der OP habe die Patientin ein entsprechendes Mittel zur Vorbereitung auf die OP bekommen. Sie sei sehr müde gewesen. Im Rahmen ihrer Untersuchungen habe sie nie das Bewusstsein verloren.

    Richter Schmidt fragt nach: „Die Fälle, von denen Sie berichten, haben Sie die noch vor Augen?“ Heinz W.: „Es gibt Fälle, die einem besser oder schlechter in Erinnerung sind. Nicht umsonst habe ich mich für eine elektronische Dokumentation eingesetzt.“

    Schmidt: „Sie sollen mit dem Ultraschallgerät Bauch und Beine abgefahren haben und im Anschluss der Frau das Betäubungsmittel Midazolam verabreicht haben.“

    W.: „Ich habe kein Midazolam geholt. Es ist eine Ultraschalluntersuchung dokumentiert und ein Foto durch das Pflegepersonal. Das Ultraschall-Untersuchungs-System hatte allerdings einen Dokumentations-Fehler beim Datum.“

    „Ich habe keiner der Patientinnen Midazolam verabreicht, sondern Kontrastmittel, wenn es notwendig war.“

    „Es erfolgte an dem Abend keine Kontrastmittelgabe, keine Midazolam-Gabe, keine Fotografie durch mich.“

    Richter Schmidt: „Im Ergebnis ist dieser Tatvorwurf 5a also nicht richtig?“ W.: „Ja.“

    Fall 5b: Es habe Fälle gegeben, in denen er Patientinnen gleich zur Untersuchung mitgenommen habe, wenn er auf Station gewesen sei. Das sei manchmal sinnvoller, als sie zehn Minuten später vom Personal bringen zu lassen. „Ich bin eher ein Mann der Tat als einer des Wartens“.

    Heinz W.: „Dass ich ihr etwas gespritzt habe, ist mir nicht erinnerlich.“ Falls sie sich merkwürdig gefühlt habe, würde W. dies mit einer prä-operativen Medikation durch einen Anästhesisten in Verbindung bringen, das ihr am Vorabend gegeben worden sei.

    An die Formulierung, dass er „etwas nachspritzen müsse“, wie es in der Anklageschrift steht, kann sich der Angeklagte nicht erinnern.

    Richter Schmidt: „Wenn von Ihnen etwas gespritzt wird, egal was, wird das immer dokumentiert?“ W.: „Ja.“ Nach Nachfrage des Richters sagt W., es gebe allerdings Fälle, wo eine Dokumentation im klinischen System nicht möglich sei, wenn dies abgeschlossen sei. Bei den Fällen, die eine Ultraschalluntersuchung hatten und bei denen Kontrastmittel verwendet wurde, ist letzteres auf dem Gerät zur Dokumentation nicht vorgesehen. „In unserem Bereich haben wir uns darauf beschränkt, den Befund zu beschreiben.“

    Schmidt: „In den Krankenakten ist von manchen Dokumentationen nichts zu sehen.“ W.: Die Thermopapier-Ausdrucke seien wohl mit auf Station gegeben worden oder auf dem Weg ins Archiv verloren gegangen. W.: „Seit 2011 haben wir begonnen, diese Dokumentationslücken aufzuarbeiten.“
    Fall 5c: Heinz W.: Die Untersuchungen seien mit einer stabförmigen Ultraschallsonde durchgeführt worden. Es handle sich um ein Gerät aus der allgemeinen Notaufnahme.

    Richter Schmidt: „Ihnen wird außerdem vorgeworfen, Bilder gemacht zu haben, unter anderem vom Aufspreizen der Schamlippen.“

    W.: „Ich habe den Fluss der Beckenvene dargestellt.“ Er habe außerdem zeigen wollen, dass keine körpereigene Umleitung der Vene stattgefunden haben.

    Ultraschalluntersuchungen sind der Krankenakte laut des Angeklagten zu entnehmen, das Fertigen der Bilder nicht. „Das Dokumentieren von Nicht-Ultraschallbildern war bis 2014 im klinischen Informationssystem nicht möglich.“ Dem Kliniker stelle sich die Frage: Wo fließt das Blut ab? Deswegen die Fotodokumentation.

    Der ehemalige Chefarzt weiter: „Sämtliche Patientinnen, die ich untersucht habe, waren bei Bewusstsein. Manche waren müde, vermutlich, weil sie am Vorabend eine Prä-Medikation erhalten hatten. Alle Patienten waren ansprechbar.“

    Bei der erneuten Untersuchung 2011 seien Bilder von den Narben angefertigt worden. Darunter Übersichtsbilder, drei Bilder, bei denen man einen Fluss der Beckenvene habe man nachverfolgen wollen. In der Computertomografie sei bestätigt worden, dass die linke Beckenvene komplett verschlossen gewesen sei.

    Richter: „Können Sie sich erklären, dass manche Frauen keine Erinnerungen mehr an die Untersuchungen haben?“ Heinz W.: Möglicherweise hätten Patientinnen durch die Prä-Medikation am Vorabend Erinnerungslücken gehabt.

    Schmidt: „In allen Fällen, in denen Bilder gemacht worden sind, haben Sie da die Patientinnen vorher gesondert gefragt? Wussten die Patientinnen das?“

    Heinz W.: „Es hat keine danach gefragt.“ Die Fotos habe er mit jeweils vorhandenen Geräten gemacht. Die Kamera gehöre ihm persönlich, der Blitz sei über die Klinik angeschafft worden.
    Verteidiger Widmann: „Fragen der Staatsanwaltschaft werden nicht beantwortet.“ Der Angeklagte habe kein Vertrauen mehr.

    Auf eine Nachfrage des besitzenden Richters Barnickel antwortet W.: „Die Patienten, die operiert werden, sprechen mit dem Operateur und einem Anästhesisten, der Anordnungen für die Vorbereitung des Eingriffs gibt. Er ordnet eine Prä-Medikation an, also das Medikament, dass der Patient vor der Operation bekommt.“
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  • Heinz W.s Verteidiger Dieter Widmann: „Fragen der Nebenklage direkt an den Angeklagten werden nicht beantwortet.“

    Daraufhin kündigt ein Nebenkläger-Vertreter an, nach Ende der Einlassung des Angeklagten dann einen ganzen Fragenkatalog an das Gericht zu übergeben - damit das Gericht dann eben die Fragen stellt.
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  • Jetzt wird erst mal eine Pause gemacht.
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  • Es geht weiter nach der Vormittags-Pause.

    Der Angeklagte äußert sich nun zu Fall 6 der Anklageschrift.

    Die Patientin wurde laut W. im Oktober 2010 als Notfall in das Klinikum eingeliefert. Sie habe eine vollständige Thrombose in der rechten Beckenvene gehabt. Die damals 17-jährige Patientin sei zusammen mit ihren Eltern vom Personal aufgeklärt worden. Noch am Wochenende habe man die Prä-Medikation mit einem Anästhesisten besprochen.

    Man habe eine vaginale End-Sonografie durchgeführt und dokumentiert. Die Schnitte für die Operation seien wieder mit Edding angezeichnet worden.

    Die Fotografie des Vulva-Bereiches habe wieder der Dokumentation gedient. Der Vorwurf, eine OP sei nicht nötig gewesen, könne durch diese Bilder entkräftet werden.

    Heinz W.: „Zu keiner Zeit wurde der Patientin von mir ein Kontrastmittel oder Midazolam verabreicht. Sie hatte aber am Abend vor der Operation eine Prä-Medikation erhalten.“ Sie sei sehr müde gewesen und im Bett zur Operation gebracht worden. Das Einverständnis zu OP sei bereits vorher von den Erziehungsberechtigten gegeben worden.

    Die Markierungen mit Edding mache er lieber am Abend vor der Operation, weil sie in der Vergangenheit in anderen Fällen durch Duschen abgewaschen worden seien.

    Richter: „Haben Sie einen vaginalen Ultraschall-Kopf eingeführt und die Schamlippen der Patientin aufgespreizt?“ W.: „Ohne, dass man die Schamlippen aufspreizt, geht das nicht.“

    Die Bilder, teilweise mit Blitz, zeigen laut W. Gefäßzeichnungen, mit und ohne Stauungen. Als die Sonde wieder draußen gewesen sei, sei ein Abschlussbild gemacht worden, um die Situation bei Raumbeleuchtung zu zeigen, so der ehemalige Chefarzt der Gefäßchirurgie.

    Richter: „Haben Sie mit der Patientin über die Fotos gesprochen?“

    Heinz W.: „Ja, ich weiß aber nicht, inwieweit sie sich erinnern kann. Man redet aber ja stetig mit dem Patienten, unabhängig davon, ob er die Augen offen hat oder nicht. Manche machen ja auch die Augen zu.“ Die Berechtigung für die Fotodokumentation ergebe sich aus dem Behandlungsvertrag.
    Richter Schmidt will wissen: „War den Patientinnen bekannt, dass Bilder zu Fortbildungszwecken und Fachvorträgen genutzt werden dürfen?“ W.: „Ich gehe davon aus, dass das den Patientinnen bekannt war. Ich gehe davon aus, dass die Eltern den Vertrag unterschrieben und mit ihrer Tochter besprochen haben.“

    Einer der Sachverständigen will wissen: „Wie verträgt es sich mit Ihrer Dokumentationspflicht, dass sich bestimmte Befunde nirgendwo finden?“ W. erläutert, dass man Arztbriefe verfasst habe, in denen man sich auf wichtige Punkte beschränkt habe. Der Schwerpunkt liege auf zügiger Nachbehandlung.
    Jetzt kommt die Mittagspause.

    Um 14 Uhr geht die Verhandlung weiter.
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  • Die Verhandlung geht weiter.

    Richter Manfred Schmidt verkündet, dass heute noch zwei weitere Fälle behandelt werden. Der Verhandlungstag morgen wird aufgehoben.

    Heinz W. äußert sich nun zu Fall 9 der Anklageschrift:

    Die Patientin sei im April 2010 wegen einer Beinschwellung aufgenommen worden. Es sei eine Computertomografie besprochen und in die Wege geleitet worden. Es sei links ein Thrombus in der Beckenvene festgestellt worden. W. habe sich mit dem Narkosearzt verständigt, was die Prä-Medikation angeht. Sie sei am OP-Tag selbst morgens durchgeführt worden.

    Am Abend vor der Operation habe die Patientin selbst etwas zur Beruhigung gewünscht. Er habe ihr vermutlich die übliche Dosis von 20 Milligramm Tranxilium verabreicht. Ob es genau dieses Mittel war, könne er heute nicht mehr genau sagen. Fotos von der Patientin habe er aus Dokumentationsgründen angefertigt.

    Angeklagter: „Zu keiner Zeit dienten die Fotos anderen Zwecken als der klinischen Basis-Dokumentation.“

    Midazolam und ein Kontrastmittel habe W. nicht verabreicht. Entsprechendes sei auch nicht vermerkt.
    Auf die Nachfrage des Richters nach einer erneuten Aufklärung zu den Fotos antwortet W.:
    „Ich habe ihr vermutlich gesagt, dass ich noch ein Bild mache. Eine erneute Aufklärung in schriftlicher Form ist nicht noch einmal erfolgt.“ Im Rahmen der Operationseinwilligung sei die Patientin jedoch bereits vorher aufgeklärt worden.

    In neuneinhalb Jahren habe es um die 70 Fälle von Beckenvenenthrombosen geben. Viele Patienten seien mehrmals gekommen. Es handle sich um ein seltenes Krankheitsbild und eine sehr seltene Operation.

    Der Richter fragt generell nach Statistiken, etwa zu Alter, Gewicht und Geschlecht der Patienten. Heinz W. merkt an: Frauen, die die Anti-Baby-Pille nehmen und zusätzlich rauchen würden, würden zur Risiko-Gruppe gehören. W. sagt, er könne nächste Woche gerne eine solche Aufstellung vorlegen.

    Die Fotos aus dem „Fall 9“ seien nicht verwendet worden, nur manche für Vorträge bereitgehalten, aber nicht aktiv gezeigt worden.

    Es geht weiter mit Fall 10:

    Die Patienten sei von November bis Januar 2010 auswärts ambulant behandelt worden. Am 17. Februar sei sie mit einer Beckenvenenthrombose in der Ambulanz des Klinikums aufgenommen worden. Eine Computertomografie habe den Befund bestätigt.

    Es sei versucht worden, eine venöse Stauung im Vulva-Bereich zu dokumentieren. Am Vorabend der Operation habe sie die übliche Medikation mit Tranxilium erhalten. Während der eigentlichen Untersuchung sei sie zwar müde, aber bei Bewusstsein gewesen.

    Nach der OP habe es keine Stauungen mehr im Vulva-Bereich gegeben. Zur Verlaufskontrolle habe er dies fotografisch dokumentiert. „Ob ich ein Kontrastmittel oder Beruhigungsmittel verabreicht habe – weil sie eines gewünscht hatte –, weiß ich nicht mehr. Der Fall ist von 2010!“ Es sei auch nichts Entsprechendes in den Akten vermerkt.

    Die gefertigten Bilder würden die Wunden und eine Übersicht darüber zeigen, sowie die gespreizten Schamlippen und eine seitliche Aufnahme. Die Fotos sollten laut W. zeigen, dass es keine Stauung mehr gegeben habe.

    Der Richter fragt nach: „War in Ihre spezielle Therpiemethode niemand näher eingeweiht? Wenn der Chef, in dem Fall Sie, ausfällt, was ist dann?“ W.: „Es könnte gut sein, dass der Patient dann in eine andere Klinik verlegt worden wäre, wenn ich nicht da gewesen wäre.“

    Richter Schmidt: „Gibt es Leute, die wegen Beckenvenenthrombosen extra nach Bamberg fahren, weil sie die Klinik für besonders gut halten?“ W.: Ja, sie seien teilweise von weit her gekommen.

    Ein Sachverständiger möchte wissen: „Haben Sie jemals ein vollständige Vulva-Varikose gesehen?“ W.: „Ja.“ Fotos davon hätte er aber keine.

    Der beisitzende Richter Barnickel fragt nach: „Wenn Sie in Bamberg einmal eine Vulva-Varikose in voller Ausprägung gesehen haben, warum haben Sie davon kein Foto gemacht?“ Heinz W.: „Weil das gerade in der Anfangsphase war und ich daran noch nicht gedacht habe. Hätte ich damals um die Seltenheit dieses Krankheitsbildes gewusst, hätte ich einiges daran gesetzt, davon ein Bild zu kriegen.“

    Nun wird die Sitzung beendet.

    Am Dienstag, den 5. Mai, geht die Verhandlung um neun Uhr weiter.
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  • ich schon verrückt wie hier versucht wird alle für dumm zu verkaufen und die eigene perversion darauf zu begründen dass das recht besteht durch eine unterschrift sich von allen persönliche rechten zu verabschieden - ich bin gespannt ob sich das gericht davon beeindrucken läßt
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  • Seit Beginn des fünften Verhandlungstags am heutigen Dienstag ist die Öffentlichkeit von der Hauptverhandlung ausgeschlossen. Die Prozessbeteiligten betrachten seit mehr als eineinhalb Stunden Bilder zur vier Fällen in der Anklage, über die der ehemalige Chefarzt Heinz W. vergangene Woche gesprochen und jeden sexuellen Hintergrund ausgeschlossen hatte. Ob und wenn ja, wann, die Öffentlichkeit heute noch einmal eingelassen wird, ist unklar.
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  • 5. Verhandlungstag im Chefarzt-Prozess Foto: Gertrud Glössner-Möschk

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  • Der Zeitplan für den Prozess gegen Heinz W. wurde deutlich ausgeweitet. Statt Ende Mai wird nun mit dem Ende der Hauptverhandlung nicht vor Ende September gerechnet. Weitere 25 Verhandlungstage wurden angesetzt.
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  • In seiner Vernehmung am Mittwoch leugnete der Angeklagte weiterhin jeden sexuellen Hintergrund.
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